DB-Bilanz 2022: Mit Rekordumsatz schwarze Zahlen
ICE 3neo, Baureihe 408, des DB Fernverkehr in Frankfurt am Main Fernbahnhof Flughafen (Foto: DB/Stefan Wildhirt).Trotz Belastungen durch Pandemie-Folgen, Ukraine-Krieg und hoher Inflation verbesserte der DB-Konzern im Geschäftsjahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr das operative Ergebnis (EBIT bereinigt) um 2,8 Mrd. EUR auf 1,3 Mrd. EUR. Der Konzernumsatz (bereinigt) wuchs 2022 gegenüber dem Vorjahr um19,1 % auf 56,3 Mrd. EUR. Die Züge der DB wurde 2022 von 2 Mrd. Reisenden genutzt, 40 % mehr als im Vorjahr.
Als maßgeblicher Treiber der positiven Entwicklung verbesserte die Logistik-Tochter DB Schenker mit 1,8 Mrd. EUR operativem Ergebnis den Spitzenwert von 2021 um 50 % und erreichte den höchsten operativen Gewinn der Unternehmensgeschichte. 76 600 Mitarbeiter beförderten mit 33 700 Fahrzeugen an 1 850 Standorten in 130 Ländern 102,8 Mio. Sendungen im Landverkehr, 1,326 Mio. t Güter im Luftfrachtverkehr und 1,91 Mio. TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) im Seeverkehr. Es wurden 27,6 Mrd. EUR Gesamtumsatz, 20,3 % mehr als 2022, erwirtschaftet.
In 2022 beförderte der DB Fernverkehr 132 Mio. Reisende und erbrachte mit 41,72 Mrd. Personenkilometer (Pkm) 68,5 % mehr Verkehrsleistung als 2021. Die 44,15 Pkm des Jahres 2019 wurden aber nicht erreicht. 18 900 Mitarbeiter erwirtschafteten 4,8 Mrd. EUR Umsatz, 2 Mrd. EUR mehr als 2021.
Die 37 700 Beschäftigten von DB Regio beförderten 2,1 Mrd. Reisende in Zügen und Bussen. Dabei wurde per Bahn 34,8 Mrd. Pkm Verkehrsleistung, 62,3 % mehr als 2021, und in den Bussen 5 Mrd. Pkm, 11,8 % mehr als im Vorjahr, erbracht. Obwohl vor allem in den Zügen die Verkehrsleistungen des Jahres 2019 nicht erreicht wurden, erwirtschaftete DB Regio mit
7,88 Mrd. EUR Umsatz in 2022 den annähernd gleichen Betrag wie 2019.
Starke Einschränkungen des operativen Betriebs, wie Ressourcenmangel und Baumaßnahmen im Netz, führten bei DB Cargo 2022 zu Qualitäts- und Kostenbelastungen. Die Folgen des UkraineKriegs wirkten auf das Verkehrsportfolio. 31 200 Mitarbeiter erwirtschafteten in 17 europäischen Ländern mit 2 576 Lokomotiven und 82 974 Waggons 5,24 Mrd. EUR Gesamtumsatz, 5,3 % mehr als im Vorjahr. Mit 84,5 Mrd. tkm Verkehrsleistung wurden 665 Mio. EUR Verlust (EBIT bereinigt) eingefahren.
Der Einzelwagenverkehr, Transporte von Güterwagen und Güterwagengruppen in einem überwiegend mehrstufigen Sammel- und Verteilnetzwerk, hat 30 % Anteil an der Verkehrsleistung und 29 % am Umsatz. Das Einzelwagennetzwerk ist zentraler Bestandteil des Schienengüterverkehrs in Deutschland und Europa, kann aber unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht eigenwirtschaftlich als Flächennetzwerk angeboten werden. Daher wird der Einzelwagenverkehr unter Berücksichtigung der im Bundeshaushalt 2023 vorgesehenen Betriebskostenförderung weiterentwickelt. Mittel- und langfristig wird die Effizienz des Systems zudem durch neue Technologien wie die Digitale Automatische Kupplung (DAK) steigen.
Auf dem 33 356 km langen Streckennetz von DB Netze sind 436 konzernexterne und 17 konzerninterne Eisenbahn verkehrsunternehmen (EVU) unterwegs. Die Trassennachfrage betrug 2022 bei den externen EVU 419,8 Mio. Trkm, 5,5 % mehr als im Vorjahr, und bei den internen EVU 713,2 Mio. Trkm, 18,8 % mehr als 2021.
Für den sicheren und pünktlichen Betrieb sind 52 600 Mitarbeiter verantwortlich. 2022 wurden 89,7 % Pünktlichkeit erreicht, 3,2 % weniger als 2021. Erwirtschaftet wurden 6,27 Mrd. EUR Umsatz, 4,7 % mehr als im Vorjahr
Bei DB Netze Energie sorgten 1 900 Beschäftigte für 99,99 % Versorgungssicherheit auf stabilem hohem Niveau. 2022 wurden 7 515 GWh Traktionsenergie (16,7 Hz und DC) bereitgestellt, 0,9 % mehr als im Vorjahr. Der Anteil sich erneuernder Energien stieg auf 65,2 % (Bild 2). Statt weniger großer, fossiler Kraftwerke, die konstant Energie liefern, muss die Infrastruktur für die zunehmend dezentrale Einspeisung von kleineren, erneuerbaren Stromerzeugern, deren Leistung volatil ist, ertüchtigt werden. Bis 2028 werden zum Beispiel sieben neue Umrichter errichtet.
Um die erhöhte Komplexität im Bahnenergienetz auch künftig mit hoher Versorgungssicherheit zu managen, wird auf Sensorik und KI gesetzt. Die Durchleitung von 16,7-Hz-Traktionsenergie stieg um 3,2 % auf 2 353 GWh. Die Rückspeisequote der Bremsenergie hat sich 2022 merklich auf 17,9 % erhöht; im Vorjahr waren es 16,7%. Aktuell wächst die Flotte der rückspeisefähigen Fahrzeuge weiter, beispielsweise durch den Zugang weiterer ICE-4-Züge. An stationäre Energien (50 Hz und 16,7 Hz) wurden 13 809 GWh bereitgestellt.
Unter anderem aufgrund der hohen Inflation und milliardenschwerer Vorleistungen für zusätzliche Verbesserungen in der Infrastruktur rechnet die DB im laufenden Geschäftsjahr mit einem operativen Verlust von etwa 1 Mrd. EUR. Der Konzernumsatz soll 2023 mehr als 56 Mrd. EUR betragen. Die Brutto-Investitionen werden voraussichtlich auf über 18 Mrd. EUR steigen und die Netto-Investitionen auf mehr als 8,5 Mrd. EUR. Die Nettofinanzschulden werden sich wahrscheinlich auf über 33 Mrd. EUR erhöhen. Alle Vorhersagen sind wegen
volatiler Marktentwicklungen mit großen Unsicherheiten behaftet.