Bio-Kraftstoffe für Bahntriebfahrzeuge

kbw dresdenVon links nach rechts Dr. Florian Herrmann, Bayerischer Staatsminister für Bundesange- legenheiten und Medien, Michael Theurer, Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Dr. Sigrid Nikutta, DB-Vorstand für Güterverkehr und Torsten Schein, Vorsitzender der Geschäftsführung DB Energie (Foto: DB/Oliver Lang).

DB Cargo erbringt 95 % der Traktionsleistung elektrisch. Die restliche Leistung wird beim Rangieren und im Transport auf nichtelektrifizierten Strecken und Anschlüssen realisiert. Für diese Dienste mit maximal 3 000 t schweren Güterzügen gibt es nun eine nahezu vollständig CO2-freie Lösung.

Am 5. April 2023 luden prominente Vertreter der DB und der Politik Medienschaffende zu einer Informationsveranstaltung an die Triebfahrzeug-Tankstelle im Rangierbahnhof München-Nord ein.

Diesel- und Rangierlokomotiven tanken hier ab sofort den Biokraftstoff HVO (Hydrotreated Vegetable Oil). Dafür hat DB Energie die Tankstelle am Rangierbahnhof München-Nord vollständig auf diesen Kraftstoff umgestellt. Als eine der größten Tankstellen des DB-Tochterunternehmens werden pro Jahr 3 Mio. l Kraftstoff abgegeben.

Der von DB Energie beschaffte HVO wird ausschließlich aus biologischen Rest- und Abfallstoffen hergestellt und steht damit nicht in Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelindustrie. HVO 100 entspricht der DIN EN 15940 für paraffinische Kraftstoffe und verursacht im Vergleich zum herkömmlichen Diesel bilanziell 90 % weniger Treibhausgas-Emissionen. Bei der Verbrennung im Motor wird ausschließlich CO2 freigesetzt, das der Atmosphäre zuvor beim Wachstum der Pflanzen entzogen wurde. Der Restanteil der Treibhausgas-Emissionen entsteht in der Vorkette bei der Herstellung und dem Transport der Kraftstoffe. Bei HVO gibt es keine Verfügbarkeitsprobleme. Die weltweite Produktion wird bis 2025 auf 30 Mrd. l steigen. Im gesamten deutschen Schienenverkehr werden pro Jahr 500 Mio. l Kraftstoff vertankt. Derzeit ist der Liter HVO 0,30 EUR teurer als Dieselkraftstoff. Steigende Produktionsmengen, CO2-Bepreisung und Besteuerung können die Preise angleichen.

DB Energie betreibt in Deutschland 175 Tankstellen fpür den Bahnverkehr. Bis Ende 2023 wird HVO an den Tankstellen Aulendorf, Frankfurt Abf, Kassel, Westerland, Würzburg, Bremen-Speckenbüttel, Seelze, Gremberg, Katzhütte, Mannheim Nürnberg Rbf, München-Nord und Neuruppin zur Verfügung stehen.

DB Cargo hat mit 800 Triebfahrzeugen die gesamte Flotte für den Biokraftstoff freigegeben. Die Lokomotiven können ohne Leistungseinschränkungen gefahren werden. In 2023 werden bundesweit 10 Mio. l Dieselkraftstoff durch HVO ersetzt. HVO ermöglicht es, die Bestandsflotte an Diesellokomotiven ohne Umbauten kurzfristig zu 90 % klimaneutral zu bekommen. Triebfahrzeuge mit Brennstoffzellen und Akkumulatoren erreichen noch nicht die für den Güterverkehr erforderliche Leistungsfähigkeit. Der HVO-Einsatz dient als
Brückentechnologie, bis für den Güterverkehr brauchbare Lokomotiven mit klimaneutralen Antrieben zur Verfügung stehen. Daher werden keine reinen Diesellokomotiven mehr beschafft. Die Baureihen (BR) 232/232 und 290/294/295 werden eine lange Nutzungsdauer erreichen. Die 130 Exemplare Gravita der BR 261 und BR 265 sind die letzte Großserie an reinen Diesellokomotiven, die DB Cargo vor zwölf Jahren beschaffte.

Um einerseits das aufwendige Umspannen von Lokomotiven zwischen elektrifizierten Netzen und Strecken und Gleisanschlüssen ohne Oberleitung zu vermeiden und andererseits immissionsarm zu fahren, beschafft und DB Cargo 150 vierachsige Zweikraftlokomotiven Vectron Dual Mode light der BR 249. Für den schweren Güterverkehr zwischen dem bayerischen Chemiedreieck um Mühldorf und dem Ruhrgebiet hat DB Cargo sechs Zweikraftlokomotiven Euro Dual der BR 159 des Herstellers Stadler Rail angemietet. HVO ermöglicht es, diese Zweikraftlokomotiven auf ihrem gesamten Laufweg fast 100 % klimaneutral zu fahren.