Unfall im Gotthard-Basistunnel

gbt unfallEntgleiste Güterwagen im Bereich der Multifunktionsstelle Faido des Gotthard-Basistunnels (Foto: SBB).Am 10. August 2023, 16:10 Uhr entgleisten in der Weströhre des Gotthard-Basistunnels (GBT) im Bereich der Multifunktionsstelle Faido 16 Waggons eines von Italien nach Deutschland fahrenden Güterzuges. Es wurde niemand verletzt, und Gefahrengut ist nicht ausgetreten. Die Gleise und ein Spurwechseltor wurden stark beschädigt.

Der Unfallzug bestand aus 30 Güterwagen von fünf Abgangsorten in Italien. Die Wagen wurden bei der Ankunft in Chiasso kontrolliert. Nach der Übernahme hat SBB Cargo die Wagen zu einem neuen Zug zusammengestellt. Dazu gehört auch eine betriebliche und technische Wagen- und Zugkontrolle. Bei diesen Kontrollen wurden keine Unregelmäßigkeiten festgestellt. Im Südtessin meldete ein entgegenkommender Lokomotivführer eine Rauchentwicklung am späteren Unfallzug. Bei der anschließenden Kontrolle in Bellinzona wurde eine festsitzende Bremse an einem Güterwagen entdeckt und gelöst. Dabei handelte es sich nicht um den Wagen, der mutmaßlich als erster entgleiste. Nach der Störungsbehebung wurde der Zug für die Weiterfahrt freigegeben. Zwischen Bellinzona und dem Tunnel passierte der Zug die automatischen Kontrolleinrichtungen. Diese lösten keinen Alarm aus.

Hergang und Ursache des Unfalls werden von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST und der Staatsanwaltschaft des Kantons Tessin geklärt.

Die unbeschädigte Oströhre konnte erst dann vom Güterverkehr genutzt werden, wenn das beschädigte Spurwechseltor provisorisch durch ein mobiles Tor ersetzt wird, das normalerweise bei Unterhaltsarbeiten zum Einsatz kommt. Das Tor gewährt im Regelbetrieb den Brandschutz und sorgt für die Trennung der Luftzirkulation zwischen den beiden Tunnelröhren.

Auf 8 km Länge ist das Gleis der Weströhre beschädigt. Es müssen 20 000 Betonschwellen ersetzt werden. Die SBB geht davon aus, dass voraussichtlich Anfang 2024 beide Tunnelröhren wieder eingeschränkt zur Verfügung stehen.

Nach erfolgreichen Testfahrten in der Oströhre des GBT, bei denen sich das mobile Tor als Ersatz für das stark beschädigte Spurwechseltor bewährte, konnte am 22. August 2023 um Mitternacht die Oströhre für den Güterverkehr freigegeben werden. Das Einspurkonzept sieht vor, dass vier Güterzüge nacheinander durch den Basistunnel verkehren. Anschließend wird die Oströhre von vier Güterzügen in der Gegenrichtung befahren. Pro Tag können knapp 100 Güterzüge durch den GBT fahren. Rund 30 werden über die Panoramastrecke umgeleitet. Die maximale Kapazität über die Gotthard-Achse beträgt 130 Güterzüge. 2022 verkehrten im Herbst täglich an Werktagen durchschnittlich 120 Güterzüge durch den Basistunnel. Zu Umleitungen über die Lötschberg-Simplon-Achse wird es dennoch weiterhin kommen.

Die Reisezüge werden nach wie vor über die Panoramastrecke umgeleitet. Seit dem 24. August können mehr Züge in maximaler Länge verkehren. Die grenzüberschreitenden Züge von und nach Italien verkehren größtenteils wieder direkt. Die Reisezeitverlängerung reduziert sich auf 60 min statt bis dato um bis zu 120 min.