Elektrische Bahnen
Zur Wartung und Instandhaltung der neuen Züge baut Stadler in Liverpool einen komplett neuen Service-Standort auf. (Quelle: Stadler)

Stadler gewinnt Auftrag für Bau und Unterhalt von 52 Metro-Zügen für Liverpool

Stadler Rail hat sich in Großbritannien einen Großauftrag gesichert: Der Schienenfahrzeughersteller baut für das S-Bahnnetz von Liverpool 52 Metro-Züge und übernimmt ab 2020 für 35 Jahre deren Wartung. Auftraggeber ist die regionale Verkehrsbehörde Merseytravel.

Die Sicherheit im Zug wird durch die offenen und geräumigen Abteile ohne Trenntüren, die Überwachungskameras und eine transparente Wand zum Führerstand erhöht. (Quelle: Stadler)

Die neuen Züge ersetzen eine der ältesten Flotten Großbritanniens. Sie werden mit einem stufenlosen Zugang ausgestattet. Dies soll das Bahnnetz am Mersey zu einem der zugänglichsten des Landes machen. Im Stadtteil Kirkdale baut Stadler einen komplett neuen Service-Standort auf.

Ersatz für eine der ältesten Flotten

Die Verkehrsbehörde Merseytravel bestellt bei Stadler 52 Metro-Züge und deren Wartung für 35 Jahre. Die derzeitige Fahrzeugflotte des Bahnbetreibers Merseyrail gehört mit einem Durchschnittsalter von knapp 40 Jahren zu den ältesten in Großbritannien. Im Rahmen des abgeschlossenen Vertrags soll die vorhandene Flotte vollständig ersetzt werden. Die Züge werden bei gleichbleibendem Sitzplatzangebot 60 Prozent mehr Fahrgäste aufnehmen können und die Reisezeit um bis zu 10 % verkürzen.

Erste Tests ab Mitte 2019

Die neuen vierteiligen Züge werden ab dem Jahr 2021 im Einsatz sein, die erste Testeinheit soll jedoch bereits Mitte 2019 geliefert werden. Der Wert der Bau- und Instandhaltungsverträge für die 52 Züge beläuft sich auf gegen 700 Millionen Pfund und Merseytravel hat sich die Option gesichert, weitere 60 Züge abrufen zu können.

Die Züge sollen mit einem niedrigeren Wagenboden ausgestattet werden, der nur 960 Millimeter über der Schienenebene liegen wird. Darüber hinaus werden alle Züge durchgängig begehbar sein und auf diese Weise Platz für 486 Fahrgäste bieten (182 Sitzplätze, 302 Stehplätze und zwei Rollstuhlplätze). Die in verwindungssteifer Aluminium-Leichtbauweise gefertigten Wagenkasten machen die Züge sicherer und energieeffizienter.

Nach Kundenwünschen konstruiert

Die 64,98 Meter langen und 2,82 Meter breiten Züge werden auf einem Stromschienennetz mit 750 Volt Gleichstrom betrieben werden und eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h erreichen können. Die Einheiten werden auch mit Batterien ausgestattet sein, damit sie in der Werkstatt und auf dem Werkgelände autonom bewegt werden können. Ferner können die Züge auch für Wechselstrombetrieb mit 25 kV und den ETCS Level II nachgerüstet werden.

Die neuen Züge werden speziell für die Anforderungen der Fahrgäste konzipiert, die das Bahnnetz der Region Liverpool nutzen. Die Anforderungen der Fahrgäste wurden in einer Kundenbefragung im Jahr 2013 ermittelt. Der Einsatz von Schiebetritten, welche die Lücke zwischen Plattform und Zug schliessen, soll an allen Eingängen in Kombination mit infrastrukturellen Massnahmen mehr Sicherheit und einen stufenlosen Zugang ermöglichen. Dies macht die Ansage „Please Mind The Gap“ wohl in Zukunft überflüssig. Die neue Flotte bietet Fahrgästen Barrierefreiheit – sowohl Rollstuhlfahrern als auch älteren Fahrgästen, Personen mit Kinderwagen und solchen mit Gepäck oder Fahrrädern. Während die hochempfindlichen Türsensoren zur Feststellung von Blockierungen eingesetzt werden, soll die Türbeleuchtung den Fahrgästen signalisieren, wann sie sicher ein- und aussteigen können.

Abteile ohne Trenntüren

Die Sicherheit im Zug wird durch die offenen und geräumigen Abteile ohne Trenntüren, die Überwachungskameras und eine transparente Wand zum Führerstand erhöht. Die Züge werden breitere Mittelgänge, mehr Platz im Einstiegsbereich und mehr Haltegriffe haben, was das Reisen auch für stehende Fahrgäste sicherer machen wird.

Die Inneneinrichtung wird gegen Beschädigungen resistent, das Aussendesign graffiti- und sprayfarbenresistent ausgeführt. Der Fahrerraum bietet aufgrund verbesserter Sichtlinien und einer ergonomischen Fahrpultanordnung laut Unternehmen eine komfortable Arbeitsumgebung und ist mit sämtlichen Funktionen eines flexiblen, modernen Zugs ausgestattet.

Vertrag über Instandhaltung für die nächsten 35 Jahre

Im Rahmen des Instandhaltungsvertrags, der für den 35 Jahre währenden Lebenszyklus der Züge gilt, wird Stadler alle Instandhaltungsarbeiten an den Einheiten ausführen. Im Stadtteil Kirkdale konzipiert und baut Stadler ein neues modernes Instandhaltungswerk. Im Betrieb soll auf größtmögliche Verfügbarkeit der Züge bei möglichst geringen Stillstandzeiten geachtet werden. Darüber hinaus wird Stadler auch für die Instandhaltung der vorhandenen Flotte zuständig sein, die im derzeitigen Werk in Birkenhead durchgeführt werden soll. Stadler wird vom Bahnbetreiber Merseyrail 155 beschäftigte Wartungskräfte für seinen eigenen Betrieb übernehmen und somit die Anzahl seiner Mitarbeiter in Grossbritannien bis 2019 auf mehr als 200 erhöhen. (kfg)

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