Elektrische Bahnen
Jahresbericht Hamburger Hochbahn
Hamburger Hochbahn: Auf der Innovationslinie 109 fahren Busse mit alternativer Antriebstechnik. (Quelle: Hochbahn)

Hamburger Hochbahn: Wichtige Umstellungen auf Elektromobilität und Digitalisierung

Die Hamburger Hochbahn hat ihren Geschäftsbericht 2016 vorgestellt. Das Jahresergebnis konnte um rund 10 Millionen Euro verbessert werden, die Fahrgastzahlen gesteigert. Neben Millioneninvestitionen in die Zukunft setzte das Unternehmen auch auf wichtige Digitalisierungsprojekte.

Die Hamburger Hochbahn AG blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2016 zurück. Die Fahrgastzahlen stiegen im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent auf den Rekordwert von 444,1 Millionen (2015: 437,5 Millionen).Damit nutzten rund 6,6 Millionen mehr Fahrgäste das Bus- und U-Bahn-Angebot der Hochbahn. Die Umsatzerlöse stiegen auf 508,6 Millionen Euro. Der Kostendeckungsgrad konnte nochmals gesteigert werden - auf nunmehr 91,6 Prozent (2015: 89,6 Prozent).

Der Aufsichtsratsvorsitzende Senator Frank Horch, Präses der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, betonte anlässlich der Vorstellung des Jahresabschlusses der Hochbahn: "Wir konnten auch wichtige Weichen für die Zukunft stellen: Der U-Bahn-Netzausbau und der barrierefreie Ausbau des bestehenden Systems schreiten planmäßig voran, die DT5-Flotte wächst stetig an und der Umstieg auf eine emissionsfreie Busflotte läuft. Das alles wird noch mehr Menschen zum Umsteigen auf Busse und Bahnen bewegen.“

Komplette Umstellung auf Elektromobilität

Das Ziel, die Fahrgastzahlen weiter zu steigern und noch mehr Menschen zum Umsteigen auf Busse und Bahnen zu bewegen, bleibe der entscheidende Hebel, betonte Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der Hochbahn. Dabei sei die Umstellung der Busflotte auf emissionsfreie Antriebe wohl die derzeit größte Herausforderung. „Ab 2020 werden wir nur noch emissionsfreie E-Busse kaufen. Hier haben wir mit der bundesweiten Beschaffungsinitiative, die von Hamburg ausging, ein klares Signal Richtung Hersteller gesetzt. Ganz konkret wird die Beschaffung noch in diesem Sommer. Dann starten wir für Hamburg eine Ausschreibung über insgesamt 60 Elektrobusse, die wir 2020 im Einsatz haben wollen.“

Im vergangenen Jahr hatten Hamburg und Berlin eine Initiative zur gemeinsamen Beschaffung von Elektrobussen gegründet. Mittlerweile sind auch die Verkehrsunternehmen aus Stuttgart, München, Düsseldorf, Köln und Darmstadt dabei. Die Initiative, die für weitere Städte offen steht, hat insbesondere das Ziel, über eine Standardisierung der Technik und Skaleneffekte durch größere Abnahmemengen Anschaffungspreise für Elektrobusse zu erzielen, die mit denen für heutige Dieselbusse vergleichbar sind.

„Aber auch die Bereitstellung der Infrastruktur fordert uns“, so Henrik Falk weiter. „Hierzu zählen nicht nur der Neubau eines komplett auf E-Busse ausgerichteten Betriebshofs und der Umbau aller bestehenden Standorte. Wir werden eine komplett neue Software für die Steuerung der Betriebshöfe und zur Koordination der Flotte durch die Leitstelle umsetzen und dabei alle Chancen konsequent nutzen, die uns die Digitalisierung bietet.

Im Jahr 2018 geht der neue Hochbahn-Busbetriebshof in Alsterdorf in Betrieb, der in den darauffolgenden Jahren 240 emissionsarme E-Busse aufnehmen wird. 70 Millionen Euro Investitionen sind für den Bau veranschlagt. Gleichzeitig beginnt der Umbau der Infrastruktur (u.a. Stromversorgung, Ladetechnik, Werkstätten) auf allen weiteren Busbetriebshöfen in Harburg, Wandsbek, Hummelsbüttel und Langenfelde.

Millioneninvestitionen in U-Bahn

Insgesamt investierte die Hochbahn im vergangenen Jahr – wie schon im Vorjahr – rund 225 Millionen Euro. „Damit haben wir seit 2011 eine knappe Milliarde Euro für unsere Kunden und die Umwelt investiert“, betonte Hochbahn Finanzvorstand Helmut König. „Und die Investitionen in den nächsten Jahren werden ansteigen. Alleine für die Modernisierung und Umstellung der Busflotte planen wir einschließlich 2019 Investitionen von weit über 200 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um die komplette Umstellung auf Euro-5- bzw. Euro-6-Norm und die Anschaffung der ersten serienreifen Elektrobusse.“

Weitere wichtige Investitionsprojekte der Hochbahn umfassen

  1. die Modernisierung der U-Bahn-Flotte: Für über 550 Millionen Euro wird die Hochbahn bis 2019 insgesamt 118 neue Fahrzeuge vom Typ DT5 beschaffen.
  2. den barrierefreien Ausbau des Bestandsnetzes: Im Jahr 2016 investierte die Hochbahn 11,6 Millionen Euro. Für 2017 sind über 40 Millionen Euro veranschlagt. Allein in diesem Jahr wird zeitgleich an neun Haltestellen parallel gebaut. Bis zum Anfang des nächsten Jahrzehnts sollen alle Haltestellen barrierefrei ausgebaut sein.
  3. den U-Bahn-Netzausbau: Für die Verlängerung der U4 zu den Elbbrücken fielen im vergangenen Jahr Investitionen in Höhe von rund 26 Millionen Euro an. Für 2017 sind rund 30 Millionen Euro geplant. 2018 soll das Gesamtprojekt abgeschlossen sein. Nach aktuellen Schätzungen dürfte der Kostenrahmen von knapp 180 Millionen Euro deutlich unterschritten werden. Parallel dazu laufen die Planungen für die neue U1-Haltestelle Oldenfelde, die U4-Verlängerung auf die Horner Geest und den Bau der Linie U5. Die U5 ist dabei das bei weitem größte Projekt. Sie soll in der zweiten Hälfte des kommenden Jahrzehnts wichtige Großwohnsiedlungen an die Hamburger Innenstadt anbinden und hochfrequentierte MetroBus-Linien entlasten. Der Bau der aufgrund der steigenden Fahrzeugzahl notwendigen neuen U-Bahn-Betriebswerkstadt in Billstedt wird noch in diesem Sommer beginnen. Alle Projekte werden von einer umfassenden und frühen Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger begleitet.

Digitalisierungsprojekte vorantreiben

Hochbahn-Chef Henrik Falk betonte die Bedeutung der Digitalisierungsstrategie HOCHBAHN#2030 für ein erfolgreiches und zukunftsfähiges Mobilitätsangebot in Hamburg. Er verwies dabei neben den laufenden Softwareprojekten für die Steuerung der E-Bus-Flotte auf weitere Digitalisierungsprojekte innerhalb des Unternehmens: 

  1. die Entwicklung neuer, automatisch fahrender U-Bahnen vom Typ DT6: Aktuell laufen die ersten Vorbereitungen. Hierbei wird unter anderem auf Zukunftsforscher zurückgegriffen, um eine nutzerorientierte Ausgestaltung der Fahrzeuge projizieren und umsetzen zu können. Die ersten Fahrzeuge sollen zu Anfang des kommenden Jahrzehnts eingesetzt werden.
  2. Predictive maintenance (vorausschauende Instandhaltung): Das Ziel dieses Projektes ist es vor allem, über gesammelte Daten heraufziehende Probleme zu erkennen, um einzugreifen, bevor es zu einem Stillstand kommt. Diese Projekte könnten nicht nur bei Fahrzeugen, sondern auch bei Rolltreppen und Aufzügen Stillstandzeiten durch optimierte Wartungen minimieren.
  3. Platzampel: Unter diesem Arbeitstitel bereitet die Hochbahn gerade eine Installation auf der U1-Haltestelle Wandsbek Markt vor, die anzeigen soll, an welchen Stellen der nächste einfahrende Zug vollbesetzt ist und wo noch Plätze vorhanden sind. Damit soll untersucht werden, ob die Anzeige zu einer gleichmäßigeren und damit kundenfreundlicheren Auslastung führt. Diese Idee wurde im letzten Jahr im Rahmen eines Prototyping-Verfahrens entwickelt.

Der Hochbahn-Chef Henrik Falk gab im Rahmen der Pressekonferenz zudem einen Einblick in den Stand der im vergangenen Jahr angeschobenen Digitalisierungsprojekte im Kundenbereich:

  1. Das WLAN-Projekt befindet sich im Ausbau. Ende 2018 sind alle U-Bahn-Haltestellen mit kostenfreiem WLAN-Zugang ausgerüstet. Schon Ende dieses Jahres wird der Großteil der Hochbahn-Busflotte über diesen Service verfügen. 
  2. Die Anzeige von Echtzeitdaten im Busbetrieb online und auf der HVV-App wurde zum Jahresanfang erfolgreich eingeführt und ergänzt die U-Bahn-Daten, die schon seit einigen Jahren in Echtzeit vorliegen.
  3. USB-Buchsen zum Aufladen von Handys in den Fahrzeugen: Alle vorhandenen und künftigen DT5-Fahrzeuge und die neueste Busgeneration (CapaCity L) verfügen über USB-Ladebuchsen.
  4. Check-In/Be-out: Das HVV-weite Projekt, das ein einfaches Online-Bezahlen mit Bestpreisgarantie per Smartphone bietet, wird im kommenden Jahr in einem Pilotbetrieb getestet.
  5. switchh: Neben der laufenden Entwicklung der Mobilitätsplattform ist eine deutliche Erweiterung der Infrastruktur vorgesehen. So sollen bis Ende 2019 bis zu 100 switchh-Punkte eingerichtet werden
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