Elektrische Bahnen
Giruno Roll-out
Vor der Inbetriebnahme wird der Hochgeschwindigkeitszug Giruno im Klima-Wind-Kanal in Wien getestet. Die maximale Geschwindigkeit beträgt, wie der Name verspricht, 250 km/h. (Quelle: Stadler Rail)

Roll-out des Giruno: Zulassungsverfahren für vier Länder startet

Nach nur zweieinhalb Jahren Entwicklungs- und Bauzeit hat der neue Hochgeschwindigkeitstriebzug Giruno von Stadler zum ersten Mal Fahrt aufgenommen. Für den neuen Gotthard-Zug startet nun das Zulassungsverfahren für die vier Länder Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien.

Stadler feiert heute im Beisein der Schweizerischen Bundesbahnen SBB den Roll-out des Niederflur-Hochgeschwindigkeitstriebzuges Giruno. In feierlichem Rahmen und mit der Bundespräsidentin Doris Leuthard als Ehrengast präsentiert der Schweizer Schienenfahrzeughersteller den neuen Hochgeschwindigkeitstriebzug Giruno. Ab Ende 2019 wird der Giruno durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt fahren und die Schweizer Städte Zürich und Basel mit Mailand, und später auch mit Frankfurt verbinden. Insgesamt baut Stadler für die SBB 29 elfteilige Niederflur-Hochgeschwindigkeitstriebzüge. Die Bestellung ist überdies mit einer Option für 92 weitere Fahrzeuge verbunden.

Roll-out des Hochgeschwindigkeitszugs Giruno

Ende Oktober 2014 haben die Schweizerischen Bundesbahnen bei Stadler 29 elektrische Hochgeschwindigkeitszüge bestellt, um damit ab Ende 2019 via Gotthardbasistunnel Basel und Zürich mit Mailand zu verbinden. Weniger als zwei Jahre nach Vertragsunterzeichnung präsentierte Stadler im September 2016 den von der SBB “Giruno” genannten Zug an der weltgrössten Schienenfahrzeugmesse InnoTrans in Berlin in Form eines fünfteiligen Kurzzuges. Heute feierte Stadler zusammen mit der SBB den Roll-out des elfteiligen Giruno. Der Roll-out markiert den Start der komplexen Zulassungsverfahren für die vier Länder.

Der Roll-out ist einer der wichtigsten Meilensteine im Entstehungsprozess eines technisch hochkomplexen Schienenfahrzeuges. Dem entsprechend ist es in der Branche üblich, dass dieser Moment gebührend gefeiert wird. Die spektakuläre Einfahrt des Giruno in Bussnang wurde von zirca 500 geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik live verfolgt. Auch Bundespräsidentin und Verkehrsministerin Doris Leuthard war für den Roll-out des Giruno nach Bussnang gereist.

Flirt-Technolgoien als Anleihe

Für die Entwicklung des Giruno wurden bewährte Technologien auf Basis des Erfolgsprodukts FLIRT mit den betrieblichen Anforderungen des neuen Gotthard-Basistunnels kombiniert. Stufenfreies Eintreten sowohl von Bahnsteigen mit 55 cm als auch mit 76 cm Höhe, die Berücksichtigung der speziellen Anforderungen im Gotthard–Basistunnel hinsichtlich Druckschutz und Klimatisierung sowie die fortschrittliche thermische und akustische Isolation setzen einen neuen Standard für Bahnreisen im Fernverkehr. 

Giruno nach TSI-Highspeed zertifiziert

Der Giruno ist mit besonderem Fokus auf Komfort und Kundenfreundlichkeit entwickelt worden, insbesondere für Familien, Senioren und Personen mit eingeschränkter Mobilität. Der Niederflureinstieg, für einen serienmässigen Hochgeschwindigkeitstriebzug ein Novum, macht für Fahrgäste das Einsteigen zum Eintreten. Im Innenraum erwartet Passagiere ein geräumiges und hell gestaltetes Interieur mit einem modernen Beleuchtungskonzept. Damit auch auf langen Tunnelstrecken keine Langeweile aufkommt, fährt der Giruno mit weiteren Komfortmerkmalen auf: Er verfügt über 4G-/3G- Mobilfunkverstärker, Steckdosen an allen Sitzplätzen, grosse Gepäckablagen und geschlechtergetrennte sowie behindertengerechte Toiletten. Die Züge bieten auf 202 Metern Länge 405 Fahrgästen Sitzplätze, davon sind 117 in der 1. Klasse und 288 in der 2. Klasse. Multifunktionsabteile- und ein Fahrradabteil ergänzen das Platzangebot sinnvoll.

Führung in Doppeltraktion möglich

Der Giruno wird nach TSI-Highspeed zertifiziert und wird alle Anforderungen an die Kollisionssicherheit nach DIN EN15227 erfüllen. Vor der Inbetriebnahme wird der Hochgeschwindigkeitszug im Klima-Wind-Kanal in Wien getestet. Die maximale Geschwindigkeit beträgt, wie der Name verspricht, 250 km/h. Die erforderliche Leistung wird über vier motorisierte Drehgestelle auf die Schiene gebracht, wobei beide Achsen der Motordrehgestelle angetrieben sind. Die maximale Leistung am Rad beträgt 6000 kW. Auf dem Dach sind vier Stromabnehmer montiert. Die Züge können bei Bedarf in Doppeltraktion geführt werden. Der Giruno wird neben der Schweiz auch für Deutschland, Österreich und Italien die Zulassung erhalten. (kfg)

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