Elektrische Bahnen
Zugspitzbahn
Die Farbgebung in Enzianblau setzt die Tradition der früheren Lokomotiven bei der Zugspitzbahn fort. Das gilt auch für den Retro-Look mit ebenen Flächen, Ecken und Kanten. (Foto: Rossberg)

Neue Berglokomotive für die Zugspitzbahn

Die meterspurige Eisenbahn von Garmisch-Partenkirchen mit einem Zahnstangenabschnitt auf die Zugspitze verkehrte zunächst nur mit Lokomotiven und fährt heute überwiegend mit Triebwagen. Für Sonderzwecke hat sie noch eine neue Zahnradlokomotive bekommen.

Die Bayerische Zugspitzbahn hat Anfang Oktober 2016 für den Einsatz auf dem 11,5 km langen Zahnstangenabschnitt zwischen Grainau und der Endstation auf Deutschlands höchstem Berg eine neue, leistungsstarke Lokomotive erhalten. Die Gesamtstrecke von Garmisch-Partenkirchen auf die Zugspitze teilt sich in den 7,5 km langen Adhäsionsabschnitt bis Grainau und den anschließenden Zahnstangenabschnitt bis zum Zugspitzplatt. Früher mussten die Fahrgäste in Grainau zwischen Tal- und Bergzügen umsteigen, weil für die beiden Teilstrecken jeweils unterschiedliche Lokomotiven eingesetzt werden mussten: im Tal zum Ziehen von Sechswagenzügen, auf der Bergstrecke zum Schieben von Dreiwagenzügen.

Seit 1930 im Einsatz auf der Zugspitze

Ab 1954 fahren auch Zahnradtriebwagen mit Vorstellwagen und seit 1987 Doppeltriebwagen durchgehend über beide Abschnitte. Trotzdem sind noch immer zwei von acht Zahnradlokomotiven im Einsatz, die zur Betriebseröffnung 1930 von der AEG geliefert worden waren. Die neue Lokomotive soll sie eines Tages ablösen, wird vorerst jedoch zusätzliche Aufgaben übernehmen. Denn zwischen Eibsee und dem Zugspitzgipfel entsteht gegenwärtig eine neue Luftseilbahn, und die bestehende, 1963 eröffnete muss demnächst den Betrieb einstellen. Dann entfällt für einige Zeit diese zweite, wesentlich schnellere Fahrmöglichkeit auf die Zugspitze, und zusätzliche Pendelzüge auf der Zahnradstrecke sollen die Fahrgäste übernehmen. Die neue Lokomotive wird also zunächst hauptsächlich diese Züge schieben. Eine weitere Aufgabe bekommt sie aber im Güterverkehr, denn regelmäßig ist die Forschungsstation im ehemaligen Hotel Schneefernhaus zu versorgen. Dazu kommen in der nächsten Zeit vor allem die Materialtransporte für den Seilbahnbau.

Niedrige Geschwindigkeit und hohe Zugkraft

Gebaut hat die neue Zahnradlokomotive mit Drehstromantriebstechnik Stadler Rail in Bussnang (CH). Anders als die alten Berglokomotiven mit zwei Laufradsätzen und drei reinen Zahnrad-Antriebseinheiten hat sie zwei Drehgestelle mit je zwei 300-kW-Tatzlagermotoren, deren Ritzel unmittelbar auf die Triebzahnräder arbeiten. Das Übersetzungsverhältnis ist dabei auf die niedrige Geschwindigkeit und somit hohe Zugkraft ausgelegt. Für die Spurführung sorgen Losräder.

Traditionell in Enzianblau

Die Farbgebung in Enzianblau setzt die Tradition der früheren Lokomotiven bei der Zugspitzbahnfort. Das gilt auch für den Retro-Look mit ebenen Flächen, Ecken und Kanten. Der Vorschlag, eine den FLIRT-Triebzügen des Herstellers entsprechende Stromlinienform zu wählen, wurde verworfen. Bei der geringen Geschwindigkeit hat der Luftwiderstand keinen Einfluss auf den Energiebedarf, die Fertigung mit geraden Linien und ebenen Flächen sparte Fertigungskosten; vor allem aber blieb das gewohnte Erscheinungsbild im Grunde erhalten. (rrr)

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