Elektrische Bahnen
chinesische Konkurrenz Bahninfrastruktur
Die chinesischen Hersteller von Bahninfrastrukturprodukten holen deutlich auf. (Quelle: SCI Verkehr)

Bahninfrastruktur: Chinesische Hersteller auf dem Vormarsch

Chinesische Hersteller von Bahninfrastrukturprodukten rücken dicht an die europäische Konkurrenz. Eine neue Studie analysiert den produktbezogenen Umsatz, die Unternehmensentwicklung und die Gewinne der 55 wichtigsten Hersteller von Infrastrukturprodukten, aufgeteilt in die Bereiche Fahrweg, Elektrifizierung und Leit- und Sicherungstechnik.

Die aktuelle Studie Worldwide Manufacturers of Rail Infrastructure der SCI Verkehr GmbH zeigt, dass Siemens zwar den Markt für Produkte der Bahninfrastruktur immer noch anführt und Voestalpine ebenfalls ihre führende Position behaupten kann, die chinesischen Hersteller von Bahninfrastrukturprodukten aber deutlich aufholen. Dies geht einher mit tiefgreifenden Veränderungen im internationalen Stahlmarkt und einer immer weiter voranschreitenden Digitalisierung auch im Bahninfrastrukturbereich.

Teilen chinesichen Markt unter sich auf

Während Siemens als einziger Hersteller mit mehr als einer Milliarde Euro produktbezogenem Umsatz gefolgt von der Voestalpine Gruppe weiterhin ganz oben in der Top 10 Liste der Infrastrukturhersteller steht, haben im Verlauf der letzten Jahre drei chinesische Unternehmen aufgeschlossen. Sowohl die China Railway Construction Corp oration Ltd. (CRCC) als auch die China Railway Group Ltd. (China Railway, CRECG) sind in den Bereichen Fahrweg und Elektrifizierung aktiv. Die China Railway Signalling & Communication Corp. (CRSC) ist für große Teile des chinesischen Eisenbahnnetzes der alleinige Lieferant für Produkte im Bereich Leit- und Sicherungstechnik. Da diese drei Hersteller den größten Teil des chinesischen Infrastrukturmarktes unter sich aufteilen, konnten sie enorm vom Wachstum des chinesischen Bahnmarktes der letzten Jahre profitieren. Außerdem waren sie in der Lage, neue Technologien selbst zu entwickeln, oder Firmen mit entsprechenden Fähigkeiten zu integrieren.

Zweitgrößter Stahlkonzern der Welt

Der Markt für Schienen ist nach dem für Schwellen der größte im Bereich Bahninfrastrukturprodukte. Dieser wird von den weltweit aktiven Stahlkonzernen bestimmt. Mit Evraz und ArcelorMittal sind zwei Stahlproduzenten unter den Top10 Produzenten in der von SCI Verkehr veröffentlichten Studie. Diese Konstellation wird sich in den kommenden Jahren allerdings deutlich verändern: durch die Zusammenlegung der Boashan Gruppe und Wuhan Steel zur Boawu Gruppe entsteht nach eigenen Angaben der zweitgrößte Stahlkonzern der Welt, der einen dementsprechenden Umsatz im Bereich der Schienenproduktion aufweisen wird. Hohe Überkapazitäten im chinesischen Stahlmarkt und rückläufige Absatzzahlen nötigen die Produzenten allerdings auch zu tiefgreifenden Reaktionen. So gab die Boawu Gruppe bekannt, in den kommenden Jahren mehr als 15% ihrer Kapazitäten abzubauen. Inwieweit die Schienenproduktion davon betroffen sein wird, hängt stark vom Abruf durch Neu- und Ausbauprojekte in China ab.

Vernetzte Systeme der Leit- und Sicherungstechnik

Die Digitalisierung wirkt als Treiber auch auf den Bahninfrastrukturmarkt. Vernetzte Systeme in der Leit- und Sicherungstechnik und mobile Systeme zur Kommunikation gehören aktuell bereits zur Grundlage moderner Infrastrukturausstattung. Weiterhin sind Systeme zur Überwachung der Infrastruktur immer weiter auf dem Vormarsch. Den hohen Anforderungen durch wachsende Streckenbelastungen, erhöhte Sicherheitsanforderungen und den weiter steigenden Kostendruck mit Hilfe digitaler Systeme zu begegnen, wird in den kommenden Jahren der Innovationstreiber Nummer eins bleiben. So arbeiten Betreiber zum Beispiel daran, die Digitalisierung auch auf die Betriebsfunktionen des Netzes zu übertragen und Trassenvergaben auf Basis vernetzter Systeme zu automatisieren. (kfg)

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