Elektrische Bahnen
Turnusmäßigen Instandhaltungsarbeiten am Donaukraftwerk in Bittenbrunn stehen an. (Quelle: Donau-Wasserkraft AG/Jan Kiver)

Instandhaltung und Erneuerung an Donaukraftwerken

An den vier Laufwasserkraftwerken zwischen Donauwörth und Ingolstadt, die seit Anfang der 1970er Jahre 16,7-Hz Bahnenergie erzeugen, sind umfangreiche Arbeiten im Gang gewesen.

Abgeschottetes Wehrfeld Donaukraftwerk Ingolstadt. (Quelle: Donau-Wasserkraft AG/Jan Kiver)

Kraftwerk Ingolstadt

Anfang Oktober 2016 hatten aufwändige Arbeiten an der Wehranlage begonnen, die aus Sicherheitsgründen nur in den Niedrigwasserzeiten von September und April möglich sind. Begonnen wurde mit dem nördlichen, an das Krafthaus grenzenden Feld, das einen nicht alltäglichen Blick erlaubte. Das bis zur Wehrsohle reichende Gerüst ermöglicht die umfangreichen Inspektions- und Instandsetzungsarbeiten. Bei der Trockenlegung der Wehrfelder waren Berufstaucher im Einsatz, um das von einem Autokran aus erfolgende Setzen der 36 Stahlplatten zu überwachen, die den sogenannten Not- oder Revisionsverschluss bilden. Neben den Mitarbeitern des Betriebsführers Uniper Kraftwerke, die auch die Maßnahmen geplant haben, war eine Spezialfirma aus Tirol im Einsatz. Wesentliche Aufgabe für die bis zu sechs Monteure vor Ort war der Austausch der Gummidichtungen an den Seitenabschlüssen der je 24 m breiten, 8 m hohen und 70 t schweren Wehrverschlüsse sowie erstmals seit Betriebsbeginn auch an der Sohle in 9 m Tiefe. Sämtliche bewegliche Teile wie die 16 m langen, je 38 t Masse ziehenden Wehrketten aus Edelstahl, Zugarme, Getriebe, Motoren, Lager mit Lagerbolzen und Luftsprudeleinrichtungen wurden kontrolliert und soweit notwendig instandgesetzt. Gleiches galt für alle baulichen Teile aus Beton und Stahl. Alle Schweißnähte, Niet- und Schraubverbindungen, Elektro- und Hydraulikanlagen, Torverankerungen, Armierungen und Wehrheizungen wurden eingehend geprüft und bei Bedarf ertüchtigt. Wo notwendig, wurden die alten Anstriche entfernt und neue Beschichtungen aufgetragen. Der erforderliche Umfang besonders dieser korrosionsbedingten Arbeiten hatte sich unerwartet bei einer früheren Aktion an einem der Wehre in Bittenbrunn herausgestellt, was zu einer Umplanung und einem neuen Gesamtkonzept für die ganze Kraftwerkskette geführt hatte.

Instandsetzungsarbeiten an Betonkonstruktionen

Parallel zu diesen terminbestimmenden Inspektions- und Instandsetzungsarbeiten wurden die gleichen auch an der Betonkonstruktion und den Kammertoren der Bootsschleuse ausgeführt. Alle Arbeiten mussten bis April 2017 abgeschlossen sein. Insgesamt wandte die Donau-Wasserkraft (DWK) für diese turnusmäßigen Instandhaltungsarbeiten in Ingolstadt 1,2 Mio. EUR auf.

Im Laufe der kommenden Jahre sollen die beiden anderen Wehrfelder in Bittenbrunn sowie alle Wehranlagen und die Bootsschleusen in Bergheim und Bertoldsheim gleichermaßen behandelt werden. Im Oktober 2016 hat ein Mähboot auf der Nordseite des Ingolstädter Stauraums den Untergrund bis in 2,2 m Wassertiefe von dichtem Bewuchs befreit, der über die Rechenreinigungsmaschine des Kraftwerks entsorgt wurde. Die ansässigen Ruder- und Segelvereine demontierten ihre Schwimmstege; Bojenfundamente wurden zwischengelagert und der Untergrund von ordnungswidrig entsorgtem Müll gesäubert. Danach muss die vorgeschriebene Mindestwassertiefe für die Ruder- und Segelboote wieder hergestellt werden, die in 2 m Abstand von der Uferböschung bei definiertem Niedrigwasser mindestens 20 cm sein muss und durch Sedimentablagerungen in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr gewährleistet ist.

Anfang November hat dann ein Bagger auf einem Schwimmponton begonnen, vor dem Nordufer des Stauraums die oberen sandigen Sedimentschichten um bis 70 cm abzutragen und dabei rund 15 000 m3 so vorsichtig zu drei Sedimentdepots entlang der Strömungslinie der Donau umzulagern, dass die Gewässertrübung auf das unvermeidliche Maß begrenzt bleibt und sich die Mengenbilanz des Materials im Fluss zunächst kaum ändert. Auch bleibt die kiesige Flusssohle dabei so weit unverändert, dass dortige Laichgebiete kaum beeinflusst werden. Erst bei künftigem Hochwasser wird das Material auf natürliche Weise in das Unterwasser transportiert. Für diese zur Unterhaltspflicht gehörenden Maßnahmen waren 0,4 Mio. EUR aufzuwenden.

Sanierung des Fischeinsteigs

Gleichfalls Mitte Oktober 2016 begannen Arbeiten, den Fischeinstieg vom Unterwasser in das Umgehungsgewässer wieder funktionsfähig zu machen, der nach mehreren Hochwassern seinen Zweck nicht mehr richtig erfüllte: Einerseits fehlte bei niedrigeren bis durchschnittlichen Wasserständen eine ausreichende Lockströmung, und andererseits waren die durch Erosion und Auswaschung entstandenen 1,3 m Höhenunterschied zwischen Umgehungsgewässer und Donaupegel für Fische und andere Wasserlebewesen schwer überwindbar geworden. Hier wurden bis zu 1 000 t Wasserbausteine in Form versetzter Querriegel so eingebaut, dass zehn Becken mit sowohl Strömungsbereichen als auch Strömungsschatten entstehen, die Ruhezonen oder sogar Laichplätze bieten. Bei der Neuanlage dieses Fischaufstiegs war übrigens zu beachten gewesen, dass die Fische auf den letzten Metern des Umgehungsgewässers eindeutig zu der technischen Aufstiegsanlage ins Oberwasser geleitet werden und nicht ausweglos in den Ingolstädter Baggersee.

Freiluftschaltanlage erneuert

Im Kraftwerk Bittenbrunn wurde von September bis Anfang Dezember 2016 die Freiluftschaltanlage 2 AC 110 kV nach fast 50 Jahren Betriebszeit für die gestiegenen Anforderungen des Netzbetriebs erneuert. Auf den beiden Leitungsfeldern sowie der Sammelschiene wurden nach dem Abbau der alten Geräte neue Fundamente betoniert und neue Leistungsschalter, Messwandler und Trennschalter aufgestellt; die drei Umspannerfelder waren schon in den letzten Jahren modernisiert worden, als die Blockumspanner getauscht wurden. Das Kraftwerk wurde für die Arbeiten ganz vom Netz genommen und die in diesem Quartal relativ geringe Wassermenge über die Wehre abgelassen, um die Zeit bis zum Anstieg des Leistungs- und Energiebedarfs der DB maximal zu nutzen. Zu investieren waren 0,7 Mio. EUR für diese Maßnahmen, die seit 2014 bereits in den Werken Ingolstadt und Bergheim umgesetzt wurden (Bild 5) und 2017 im Werk Bertoldsheim folgen werden. (eb/Uwe Behmann)

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