Elektrische Bahnen
Im Rahmen verschiedener Politikszenarien stellt der Bericht langfristige Projektionen für die Verkehrsnachfrage bis 2050 für den Güter‑ und Personenverkehr vor. (Quelle: OECD)

Studie zu globalen Trends im Verkehrssektor ab sofort abrufbar

Der Transport Outlook 2017 des International Transport Forum ist ab sofort verfügbar. Der Verkehrsausblick ITF liefert einen Überblick über die jüngsten Trends und die kurzfristigen Aussichten für den Verkehrssektor auf globaler Ebene.

Im Rahmen verschiedener Politikszenarien stellt der Bericht zudem langfristige Projektionen für die Verkehrsnachfrage bis 2050 für den Güter‑ (Schifffahrt, Luft undLand) und den Personenverkehr (Straße, Schiene und Luft) sowie die damit verbundenen CO2‑Emissionen vor.

Riesige Verkehrsnachfrage bis 2050

Im Einzelnen wird untersucht, wie die wichtigsten seit 2015 erfolgten politischen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen zusammen mit anderen internationalen Entwicklungen, wie der Festlegung der VN‑Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Zukunft der Mobilität beeinflussen. Ein besonderer Schwerpunkt, der auf der Erreichbarkeit in Städten liegt, verdeutlicht, wie wichtig Politikmaßnahmen bei der Schaffung nachhaltiger Verkehrssysteme sind, die allen Menschen einen gleichen Zugang bieten.

Verdreifachung des internationalen Frachtvolumens

Auch wenn im Basisszenario des Ausblicks große technologische Fortschritte unterstellt werden, könnten die CO2‑Emissionen des Verkehrssektors bis 2050 um 60% zunehmen. Ohne zusätzliche Maßnahmen könnten die CO2‑Emissionen des weltweiten Güterverkehrs um 160% ansteigen, da sich das internationale Frachtvolumen im Basisszenario – das sich auf die OECD‑Handelsprojektionen stützt – verdreifacht. Dies ist in erster Linie auf die stärkere Nutzung des Straßenverkehrs zurückzuführen, insbesondere für kurze Entfernungen und in Regionen, in denen Schienenverbindungen fehlen, wie z.B. in Südostasien. Die Routenoptimierung oder die gemeinsame Nutzung von Lastkraftwagen und Lagerhallen durch mehrere Unternehmen würde eine höhere Auslastung und weniger Leerfahrten ermöglichen. Derartige Effizienzgewinne könnten die CO2‑Emissionen von Lastkraftwagen um bis zu einem Drittel reduzieren.

Pariser Klimaabkommen von 2016 für Verkehrssektor adaptieren

Ein breites Spektrum an Politiken und Maßnahmen muss umgesetzt werden, um die CO2‑Emissionendes Verkehrssektors auf ihrem Niveau von 2015 zu halten. Dafür müssen sämtliche Politikinstrumente eingesetzt werden: Vermeidung unnötiger Verkehrsnachfrage, Umstieg auf nachhaltige Verkehrsoptionen und Verbesserung der Effizienz. Marktorientierte Mechanismen, wie das von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation beschlossene Ausgleichssystem für den internationalen Luftverkehr, sind ebenfalls vonnöten. Nach den Szenarien der Internationalen Energie‑Agentur ist es anhand dieser Maßnahmen noch immer möglich, die globale Erwärmung auf 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, jedoch nicht auf die im Pariser Abkommen angestrebten 1,5°C.

Radikale Veränderung der Mobilitätsstruktur in Städten

Technologische Innovationen wie Elektromobilität, autonome Fahrzeuge oder neue gemeinsame Mobilitätslösungen werden die Mobilitätsstruktur, vor allem in Städten, wahrscheinlich radikal verändern. Manche dieser Innovationen bieten Möglichkeiten, den CO2‑Fußabdruck des Verkehrssektors erheblich zu verkleinern und den Zugang zu verbessern. Im Güterverkehr könnten autonome Lastkraftwagen den Wettbewerbsvorteil zwischen den verschiedenen Transportmodi deutlich zum Straßengüterverkehr hin verschieben. Politik und Planung müssen diesen Veränderungen Rechnung tragen, um zu vermeiden, dass teure Infrastrukturen gebaut werden, die bald veraltet sind, oder dass CO2‑intensive oder ungerechte Entwicklungspfade eingeschlagen werden.

Bessere Fahrzeug‑ und Kraftstofftechnologien und Änderung von Nutzungsverhalten nötig

Der technische Fortschritt allein wird nicht zu einer Verringerung der CO2‑Emissionen in Städtenführen. Verhaltensverändernde Maßnahmen wie Kraftstoffsteuern, niedrige Fahrpreise im öffentlichen Personenverkehr oder Flächennutzungsmaßnahmen, die die Zersiedelung begrenzen, sind notwendig, um die erforderliche zusätzliche Senkung der CO2‑Emissionen herbeizuführen. Eine Reduktion der durch die städtische Mobilität verursachten CO2‑Emissionen kann auch ein positiver Nebeneffekt von Politikmaßnahmen sein, die auf lokale Luftschadstoffe und Verkehrsüberlastungen ausgerichtet sind. Diese stellen in vielen Städten die dringendsten Herausforderungen im Verkehrssektor dar.

Gezielte Flächennutzungspolitik

Die Gewährleistung von gleichem Zugang zu Arbeitsplätzen und Dienstleistungen ist eine der Zielsetzungen der VN‑Ziele für nachhaltige Entwicklung. In vielen Städten bedeutet die durch private Kraftfahrzeuge gebotene Flexibilität, dass sie eine bessere Erreichbarkeit (gemessen an der Zahl der Fahrtziele, die in einer bestimmten Zeitdauer erreichbar sind) bieten als öffentliche Verkehrsmittel, selbst unter Berücksichtigung von Verkehrsüberlastungen. Dennoch verfügen öffentliche Verkehrsmittel über die Kapazität, inklusiven Zugang zu Fahrtzielen zu bieten, wenn sie für alle Fahrgäste zugänglich sind und ihre Flächendeckung sinnvoll geplant ist. Da öffentliche Verkehrssysteme in dicht besiedelten Städten effizienter sind, kann eine gezielte Flächennutzungspolitik zu einer Verbesserung des Zugangs beitragen.

Planungsinstrumente für Anpassungen an veränderte Konsum‑ und Verteilungsstrukturen

Flexible Planungsverfahren, die sich auf eine langfristige, strategische Vision stützen, tragen zur Anpassung an Unwägbarkeiten bei, die mit sich verändernden Strukturen bei Nachfrage, Produktion und Versandwegen weltweit verbunden sind. Der richtige Zeitpunkt für eine gute Infrastrukturplanung und die schrittweise Kapazitätserhöhung sind von entscheidender Bedeutung, um den schubweisen Charakter von Infrastrukturinvestitionen, z.B. in Häfen, auszugleichen. Derartige Pläne sollten die Richtung für die künftige Entwicklung vorgeben, Investitionen priorisieren und potenzielle künftige Engpässe identifizieren. Sie können darüber hinaus die Grundlage für die Bereitstellung von Flächen, z.B. für die künftige Entwicklung von Häfen und Straßen, bilden.

Hier gelangen Sie zur vollständigen englisch-sprachigen Version des Berichts. (kfg)

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