Elektrische Bahnen
Bahnbranche 2016
Insbesondere der Export erwies sich mit gut sechs Milliarden Euro als sehr umsatzstark, ein Plus von 5,2 Prozent.

Nicht zufriedenstellend: Bahnbranche verliert an Umsatz und Jobs

Der Auftragseingang der Bahnindustrie in Deutschland lag 2016 bei insgesamt 11,5 Milliarden Euro. Das sind rund 23 Prozent weniger als der Spitzenwert von 2015. Die Tendenz zum Protektionismus sei ein Grund für die schwächere Nachfrage.

Die Bahnindustrie in Deutschland erreichte im Jahr 2016 mit 11,8 Milliarden Euro wieder ein hohes Umsatzniveau. Insbesondere der Export erwies sich mit gut sechs Milliarden Euro als sehr umsatzstark, ein Plus von 5,2 Prozent. Damit lag die Exportquote der Bahnindustrie in Deutschland 2016 bei 52 Prozent. Nicht zufrieden war die Branche mit dem aktuellen Auftragseingang aus dem Ausland. Der Rückgang im Jahr 2016 sei zwar im Rahmen der volatilen Geschäftszyklen zu deuten. Doch möglicherweise spiegele sich hier auch die global wachsende Tendenz zur Marktabschottung.

Zuwächse im Exportgeschäft , Rückgänge im Inlandsgeschäft

Die Zahl der Beschäftigten blieb 2016 mit 50.500 hoch. Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) fordert die Politik auf, direkt nach der Bundestagswahl ein Bahnforschungsprogramm für eine schnellere Digitalisierung des Schienenverkehrs in Angriff zu nehmen. Zudem soll die Politik ihre Anstrengungen für mehr Freihandel und fairen Wettbewerb aus Sicht der stark exportorientierten Branche deutlich verstärken. Für die Akzeptanz des Schienengüterverkehrs sei es wichtig, leise Züge endlich aufs Gleis zu bringen und Lärmschutz ganzheitlich zu verstehen.

"Das Geschäft mit umwelt- und klimafreundlicher Mobilität made in Germany bleibt 2016 - leichten Schwankungen zum Trotz - sehr erfolgreich", sagte VDB-Präsident Volker Schenk auf der heutigen Jahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin. "Diese Entwicklung freut uns. Und sie zeigt: Die Bahnindustrie ist eine der Vorzeigeindustrien unseres Landes."

Umsatz der Bahnindustrie in Deutschland im Jahr 2016

Maßgeblich beigetragen zu diesem Erfolg hat das Exportgeschäft in Höhe von 6,1 Milliarden Euro. Es ist im Vergleich zum sehr hohen Niveau im Jahr 2015 sogar um gut fünf Prozent gestiegen. Etwas schwächer zeigte sich das Inlandsgeschäft mit 5,7 Milliarden Euro. Es sank um etwa zwölf Prozent. Rund 74 Prozent waren Order für Schienenfahrzeuge und ihre Komponenten. Der Umsatz erreichte in diesem Segment 8,7 Milliarden Euro. Das Inlandsgeschäft mit Schienenfahrzeugen war nach zwei geschäftsstarken Jahren rückläufig. Es sank um 17 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Deutlich stärker zeigte sich das Ausland. Das Geschäft mit Fahrzeugen erreichte 4,8 Milliarden Euro, ein Plus von rund sieben Prozent. Das Bild bei den Schieneninfrastrukturausrüstungen bleibt ernüchternd. Der Umsatz mit digitaler Leit- und Sicherungstechnologie, Gleisen, Weichen, Streckenelektrifizierung, Stellwerken und Bahnübergängen stagnierte mit 3,1 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau.

 "Zufrieden sind wir damit nicht"

"Der Auftragseingang der Bahnindustrie in Deutschland lag 2016 bei insgesamt 11,5 Milliarden Euro", sagte Schenk. "Das sind rund 23 Prozent weniger als der Spitzenwert von 2015. Um es deutlich zu sagen: Zufrieden sind wir damit nicht. - Die Inlandsnachfrage erreichte 2016 eine Höhe von sieben Milliarden Euro. Rund zehn Prozent weniger als 2015 zwar, aber ein ordentlicher Wert. Die Nachfrage im Ausland erreicht nur 4,5 Milliarden Euro und sinkt damit erheblich um 38 Prozent."

Tendenz zum Protektionismus verschlechtert Lage

Schenk sieht für den Nachfragerückgang zum Teil statistische Ursachen: "Hohe Volatilität ist in unserem langfristig angelegten Projektgeschäft Usus. Ein Großauftrag kann für einen hohen Ausschlag nach oben sorgen. So war es 2015." Mit Sorge weist Schenk darauf hin, dass sich die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen 2016 verschlechtert hätten: "Es gibt eine weltweit zunehmende Tendenz zum Protektionismus: Verpflichtung zur Lokalisierung, restriktive Joint Ventures, intransparente Vergabemärkte, üppige staatliche Exportfinanzierungen, Marktabschottung. Was folgt daraus? - Die deutsche und europäische Wirtschaftspolitik muss sich noch stärker für Freihandel, offenen Marktzugang und faire Wettbewerbsbedingungen einsetzen. Eine wichtige Chance bietet das Freihandelsabkommen mit Japan." "Der Schienenverkehr braucht ein nachhaltiges politisches Engagement für Forschung und Entwicklung."

Unternehmen müssen sich konsolidieren

Die Bahnindustrie in Deutschland befindet sich in einer Konsolidierungsphase", sagte Schenk. "Überkapazitäten werden abgebaut, Unternehmen stellen sich neu auf. Dessen ungeachtet hat unsere Branche auch 2016 wieder ein hohes Beschäftigungsniveau sichern können. Die Zahl der direkt Beschäftigten lag bei 50.500. Eine gute Zahl, allerdings gegenüber 2015 ein leichtes Minus von 2,9 Prozent. Das Vorzeichen hätten wir uns anders gewünscht."

Kernforderungen des Eisenbahnsektors

Erstmals vor einer Bundestagswahl habe sich der gesamte Eisenbahnsektor auf drei Kernforderungen verständigt. Insgesamt acht Verbände engagieren sich für die Initiative, getragen von Industrieunternehmen, Bahnbetreibern, Umweltverbänden und Gewerkschaften. Die Branchenvertreter fordern von der Politik Entscheidungen für den ökologisch und ökonomisch effizienten Verkehr auf der Schiene. Der Schienenverkehr braucht faire Rahmenbedingungen im Wettbewerb mit anderen Verkehrsträgern, eine ausreichende Finanzierung des Systems Schiene und ein nachhaltiges politisches Engagement für Forschung und Entwicklung. "Ein Bahnforschungsprogramm gehört auf die Agenda der nächsten Bundesregierung", so Schenk. "Denn die Innovationen der Bahnindustrie sind gut - für Bahnbetreiber, Fahrgäste, Anwohner an den Trassen, den Klimaschutz und für die ganze Gesellschaft." Der digitale Schienenverkehr der Zukunft solle "made in Germany" sein.

Monitoring und Digitalisierung

VDB-Hauptgeschäftsführer Ben Möbius betont die große Bedeutung eines leisen Schienengüterverkehrs für dessen Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Ankündigung des Bundesverkehrsministeriums, eine Innovationsprämie für leise Güterwagen einzuführen, sei dafür ein wichtiger politischer Schritt. Die Prämie solle Anreize schaffen, um in neue Güterwagen zu investieren, die leiser seien, als es europäische Regeln vorschreiben. "Lärmschutz muss ganzheitlich umgesetzt werden, also am Fahrweg genauso wie beim Fahrzeug. Auch hier können digitale Technologien greifen, etwa automatisiertes vorausschauendes Fahren von Zügen oder achsgenaues Lärm-Monitoring. Ein leiser Schienengüterverkehr, der von der Bevölkerung mit Recht erwartet wird, muss keine Utopie sein", so Möbius. (kfg)

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