Elektrische Bahnen
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn Dr. Richard Lutz
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn Dr. Richard Lutz (© Deutsche Bahn AG)

CEO-Treff von DB und SBB: Für mehr Zusammenarbeit im europäischen Bahnverkehr

Die Spitzen der Deutschen Bahn (DB) und der SBB haben sich zum konstruktiven Austausch in Bern getroffen. Neben dem vorherrschen Thema "Sperrung der Rheintalstrecke" ging es um Angebotsausweitung und Infrastruktur.

Für die beiden Bahnchefs Andreas Meyer und Richard Lutz spielt derzeit die Nord-Süd-Achse eine besondere Rolle , die aufgrund der Sperre der Rheintalstrecke für den Güterverkehr zur Zeit nur stark eingeschränkt befahrbar ist. Die Strecke Basel–Karlsruhe ist seit dem 12. August 2017 bei Rastatt gesperrt und bleibt voraussichtlich bis am 7. Oktober 2017 unterbrochen.

Vereinbarte Massnahmen konsequent umsetzen

Die lange Schliessung der Strecke stellt insbesondere für die ganze Güterbranche eine schwierige Situation dar. Über die Alternativrouten können die Güter nur mit grossem logistischem Aufwand umgeleitet werden. Die Chefs der SBB, der DB, der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sowie der Société Nationale des Chemins de Fer (SNCF) hatten daher bereits am 25. August 2017 eine Task-Force etabliert.

Seither haben die Bahnchefs die Situation laufend analysiert und ein Massnahmenpaket umgesetzt, um die beschränkten Kapazitäten auf dem Nord–Süd-Korridor während der Sperre möglichst optimal auszunutzen. Am Spitzentreffen vom Montag bekräftigten Meyer und Lutz noch einmal, das Massnahmenpaket konsequent voranzutreiben. Zum Beispiel soll weiteres Lokpersonal für den Einsatz auf den Ausweichrouten ausgebildet und entsandt werden.

Zudem können seit dem 6. September dank der vorgezogenen Wiedereröffnung der Gäubahnlinie Güter- und Personenzüge wieder durchgehend verkehren. Um die Abfertigung in Singen zu verbessern, haben die beiden Bahnen zudem ein «Project Office» im Grenzort eingerichtet. Dadurch konnte die Anzahl Zugfahrten weiter auf rund 60 pro Tag gesteigert werden. Mittlerweile wird rund 30 Prozent der Güterverkehrs-Nachfrage über die Schiene spediert.

Dieser Wert soll in den nächsten Wochen auf 50 bis 60 Prozent gesteigert werden. Die beiden Bahnchefs waren sich einig, dass die europäischen Bahnen die Lehren aus dem Ereignis ziehen müssen. Die Stärken der integrierten Bahn müssten rascher und effektiver eingesetzt werden können, hiess es.

Zur Bewältigung von zukünftigen Ereignissen sollen schneller Ausweichrouten definiert sowie der flexible Einsatz von Personal und der Datenaustausch verbessert werden. Zusätzlich sollen die Baustellen- und Trassenplanungen besser abgestimmt und selbstauferlegte Restriktionen beseitigt werden.

Ausbau der Hard- und Software der Bahninfrastruktur

Auch der Ausbau der Infrastruktur auf dem Rhein-Alpen-Korridor war Thema beim Spitzentreff. Ein Ausbau auf eine Zugslänge von 750 Metern sei zwingend erforderlich, um einen durchgängigen, leistungsfähigen und wettbewerbsfähigen Güterkorridor zwischen den Niederlanden und Italien sicherzustellen.

In der Schweiz wird der Ausbau der Gotthardachse bis 2021 fertiggestellt und in Italien werden verschiedene Korridore voraussichtlich bis 2020 ausgebaut. Auch die Elektrifizierung der Strecke Zürich–München kann bis Ende 2020 abgeschlossen werden. Die Fahrzeit verkürzt sich dadurch ab 2021 von aktuell gut 4 auf neu 3,5 Stunden.

Geplant ist, täglich sechs Verbindungen in beide Richtungen mit dem Neigezug ETR610 anzubieten. Neben den Bauprojekten sollen die Bahnen mit modernen Arbeitsmitteln die Kapazitäten auf dem Schienennetz besser nutzen und beispielsweise Wartezeiten von Güterzügen auf der Nord-Süd-Achse reduzieren.

Zudem will die DB im von der SBB lancierten Branchenprojekt SmartRail 4.0 mitwirken. Der Digitalisierungsprozess der Fahrplanerstellung und Betriebsführung spll weiter automatisiert und die Kapazität des Schweizer Bahnnetzes um bis zu 30 Prozent gesteigert werden.

Direkte Verbindung Frankfurt–Basel–Mailand

Auch der mittelfristige Ausbau des Zugangebots auf der Nord-Süd-Achse im internationalen Personenverkehr war Teil des Gesprächs. Bereits ab 2018 sollen die Fahrgäste von einer direkten trinationalen Eurocity-Verbindung zwischen Frankfurt über Basel nach Mailand profitieren. Man arbeite derzeit an der detaillierten Ausgestaltung des Angebots. Im November 2017 wird die Verbindung mit einem Anlass lanciert.

Zudem bekräftigte man auf beiden Seiten weiter die Zusammenarbeit im internationalen Ticketvertrieb bekräftigt. SBB und DB treiben derzeit gemeinsam mit weiteren europäischen Bahnen und Vertriebsdienstleistern die Initiative Initiative «Full Service Model» (FSM) voran. Diese soll die technische Anbindung bestehender Vertriebssysteme ermöglichen, wodurch den Kunden künftig online mehr Buchungsoptionen zur Verfügung stehen.

Im Metropolitanraum Basel prüfen die beiden Bahnen die Optionen, mit denen im internationalen Personenverkehr die Kapazitäten besser genutzt werden können. Mit den Entscheiden haben die beiden Bahnchefs einen weiteren Schritt bei der Umsetzung der sogenannte «Lugano Agenda» gemacht, die 2016 anlässlich der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels von internationalen Bahn-CEOs unterzeichnet wurde.

Mit dem Ziel, den Kundenservice zu verbessern und die Effizienz des Bahnsystems zu steigern, regelt die Agenda die Zusammenarbeit der europäischen Bahnen im wachsenden intermodalen Wettbewerb.

Die vereinbarten Fortschritte sollen im 1. Quartal 2018 überprüft werden, um gegebenfalls weitere Umsetzungsschritte einzuleiten.

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