Elektrische Bahnen
Gotthard-Basistunnel ist 57 Tage in Betrieb
Seit 57 Tagen fließt der Verkehr durch den Gotthard-Basistunnel. Die Schweizerischen Bundesbahnen ziehen ein erstes Fazit und sind grundlegend zufrieden. Allerdings muss an der Pünktlichkeit noch nachgearbeitet werden - und an den Verbindungen aus Italien. (Quelle: AlpTransit Gotthard AG)

57 Tage GBT: Verkehr im Gotthard-Basistunnel rollt weitgehend stabil

Der Verkehr verläuft überwiegend störungsfrei. Die Pünktlichkeit auf der Gotthardachse hat sich seit Anfang Dezember verbessert, die geplanten Fahrzeitverkürzungen können sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr erreicht werden. So lautet das Fazit nach 57 Tagen Betrieb des Gotthard-Basis-Tunnels.

Seit 57 Tagen ist der 57 Kilometer lange Gotthard-Basistunnel (GBT) im fahrplanmäßigen Betrieb. In dieser Zeit sind 2816 Personen- und 3980 Güterzüge durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt gefahren. Die Nachfrage im Intercity- und Eurocityverkehr hat sich gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres um rund 30 Prozent erhöht. Dennoch besteht bei der Pünktlichkeit noch Handlungsbedarf. Der Fokus liegt dabei auf den Verspätungen aus Italien und der Verfügbarkeit des Rollmaterials.

Pünktlichkeit verbessert sich

Die Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels ist erfolgreich verlaufen. Nach dem intensiven Testbetrieb bewähren sich Anlagen und technische Einrichtungen auch im Regelbetrieb. Der nationale Fahrplan kann grundsätzlich stabil gefahren werden. Die Fahrzeiten verkürzen sich auf der Nord/Süd-Achse Gotthard somit um rund 30 Minuten. Die Pünktlichkeit im Personenverkehr am Gotthard hat sich seit Anfang Dezember erhöht: von 79,6 Prozent auf 86,8 Prozent. Die Anschlusspünktlichkeit in Arth-Goldau ist von 94,4 Prozent auf 97,1 Prozent gestiegen. Auch auf der Gotthard-Panoramastrecke ist die Betriebslage stabil, die Pünktlichkeit beträgt beinahe 100 Prozent.

Zusätzlicher Zug für Panorama-Strecke

Zudem sind die Frequenzen nach der Inbetriebnahme des GBT wie erwartet stark zurückgegangen und saisonbedingt niedrig, d.h. durchschnittlich unter 500 Personen pro Tag im Abschnitt Göschenen und Airolo. Ab April bis Oktober verkehrt an Wochenenden und Feiertagen zusätzlich ein Zug von Zürich über die Panorama-Strecke nach Bellinzona und zurück, zudem fährt in diesem Zeitraum der neue "Gotthard Panorama Express". Das Angebot führt von Luzern per Schiff nach Flüelen und anschließend im Zug über die Gotthard-Panoramastrecke ins Tessin und umgekehrt.

Verkehr aus Italien ist Schwachstelle

Schwierig gestaltet sich die Situation nach wie vor im Verkehr mit Italien. Die Eurocity-Züge aus Mailand treffen oft verspätet in Chiasso ein und verkehren ab dort mit einer durchschnittlichen Verspätung von acht Minuten, welche dank der Fahrzeitreserven bis Arth-Goldau meist aufgeholt werden kann. Seit Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 gab es insgesamt 43 Zugsausfälle, mehrheitlich wegen Fahrzeugstörungen. Die Auswirkungen im nationalen Verkehr waren jedoch dank des dafür im Tessin stationierten Ersatzzuges gering.

Nicht genügend Sitzplätze

Über die Feiertage erlebte die Gotthardachse eine erfreulich hohe Nachfrage, durchschnittlich fuhren seit Inbetriebnahme rund 8800 Personen pro Tag durch den GBT, rund 30 Prozent mehr als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Punktuell gab es über die Feiertage Engpässe bei der Anzahl Sitzplätze. Dies weil teilweise zu wenige Züge zur Verfügung standen oder aufgrund von anlageseitigen Einschränkungen keine Zusatzzüge angeboten werden konnten. In einzelnen Fällen mussten Reisende auf Folgezüge verwiesen werden oder wurden via Panoramastrecke umgeleitet.

Die SBB arbeitet nach eigener Aussage daran, die Herausforderungen im Hinblick auf weitere Spitzenauslastungen zu lösen. Für den Osterverkehr werden insbesondere für den EC Zürich – Milano sehr hohe Frequenzen erwartet, so dass die Reservierung von Sitzplätzen auch für Reisen ins Tessin empfohlen wird. Dank der Erkenntnisse aus den ersten Betriebswochen kann das Angebot weiter verbessert werden. Auch künftig wird zusätzliches Personal in den Bahnhöfen Bellinzona und Arth-Goldau im Einsatz sein, um die Kunden zu informieren und den Betrieb zu unterstützen.

Anpassung an höhere Taktung

Am 11. Dezember 2016 hat SBB Cargo die ersten regulären Güterzüge durch den Gotthard-Basistunnel geführt. Gleichzeitig wurde mit Wagenladungsverkehr «WLV 2017» schweizweit der Taktfahrplan für Güter eingeführt. Neu passt sich SBB Cargo dem zunehmenden Tempo in der Logistik an und bedient gewisse Standorte nicht mehr nur einmal täglich, sondern bis zu drei Mal. Im Güterverkehr auf der Gotthardachse ist die Trassenkapazität saisonbedingt noch nicht voll ausgeschöpft. Unter anderem im Bausektor wird die Transportlogistik auf der Schiene mit der wärmeren Jahreszeit zunehmen. Durchschnittlich fuhren 86 Züge pro Werktag durch den GBT. Diese transportierten rund 48‘000 Tonnen pro Werktag, was 3900 eingesparten LKW-Fahrten entspricht.

Volle Leistungsfähigkeit erst mit Ceneri-Basistunnel erreichbar

Auch Cargo-Kunden profitieren vom GBT: PostLogistics etwa kann dank des Zeitgewinns von rund 30 Minuten die vom Postzentrum Härkingen SO abgehenden Postzüge ins Tessin später beladen und dadurch diverse LKW-Nachtfahrten auf die Bahn verlagern. Die volle Leistungsfähigkeit des Güterverkehrs mit 260 Zügen pro Tag und einer Zuglänge von 750 Metern wird mit der Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels sowie des 4-Meter-Korridors Ende 2020 erreicht. Grundsätzlich wird der Güterverkehr planmäßig und ohne systematische Verzögerungen abgewickelt. Noch führen einzelne Triebfahrzeugstörungen verschiedener Eisenbahnunternehmen sowie Alarme der Zugkontrolleinrichtungen teilweise zu Einschränkungen im Betrieb. Die Ursachen werden laufend analysiert und entsprechende Korrekturmassnahmen eingeleitet. Die vorgegebenen Durchfahrtszeiten werden eingehalten und teilweise vorhandene Verspätungen im Zulauf können bei der Durchfahrt durch den Gotthard-Basistunnel mehrheitlich minimiert oder gar eliminiert werden. Nur noch vereinzelt fahren Güterzüge über die Panoramastrecke. Dies betrifft primär die Nacht von Montag auf Dienstag, da dann aufgrund von Instandhaltungsarbeiten im Tunnel die Kapazität mit lediglich einer Tunnelröhre einschränkt ist.

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