Elektrische Bahnen
Gewalt gegen Zugpersonal
Gewalt gegen Zugpersonal nimmt stetig zu. Vor allem nachts fühlt sich fast kein Bahnmitarbeiter sicher. (Quelle: Unsplash/Pixabay.com)

Die Angst fährt mit: Zugpersonal ist selten ohne Bedenken unterwegs

Die drastisch gestiegene Gewalt gegen Lokomotivführer und Zugbegleiter wird zunehmend ein Thema. Die GDL hatte daher in einer Umfrage die Erfahrungen mit Sicherheit und belastenden Ereignissen beim Zugpersonal erheben lassen. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Im Jahr 2016 hatte die GDL unter ihren Mitgliedern des Zugpersonals eine bundesweite Erhebung zu den Erfahrungen mit Sicherheit und belastenden Ereignissen durchgeführt. Hierzu hat die GDL rund 25 000 Mitglieder befragt. Auf insgesamt 55 Fragen gaben die Lokomotivführer und Zugbegleiter zu belastenden Ereignissen, deren Prävention und Nachsorge Auskunft. Die Rücklaufquote betrug trotz des umfangreichen Fragebogens rund 15 Prozent. Die Zusammensetzung der Befragten unterscheidet sich in Alter, Geschlecht etc. so gut wie nicht von den bekannten Zahlen bei Lokomotivführern und Zugbegleitern in den Eisenbahnverkehrsunternehmen Deutschlands, was für eine hohe Repräsentativität der Ergebnisse spricht.

Ergebnisse lassen aufhorchen

Die Umfrage brachte einerseits erschreckende Erkenntnisse zutage. Andererseits wurden manche Ergebnisse zwar vermutet, allerdings noch nie fundiert zusammengetragen. So ist in der Nacht lediglich einer von zehn Zugbegleitern ohne Bedenken unterwegs. Am Tag arbeitet knapp die Hälfte ohne Bedenken. Fast jeder Zugbegleiter wurde schon einmal beleidigt und mehr als jeder zweite war bereits körperlichen Angriffen ausgesetzt. Lokomotivführer werden in ebenfalls Besorgnis erregendem Maße angegriffen, angespuckt, bedroht und beleidigt. Und in den sechs zentralen Umfragekategorien Beleidigung, Bedrohung, Anspucken, körperlicher Angriff, sexuelle Belästigung und Personenunfall liegen mitunter gewaltige Lücken zwischen der Erwartungshaltung der Kollegen an ihre Arbeitgeber und der tatsächlich wahrgenommenen Unterstützung.

Die Online-Umfrage ist deshalb auch eine gute Grundlage, um Arbeitsschutzkonzepte zu verbessern. Die Bisherigen reichen dazu definitiv nicht aus. GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky: „Der Schutz vor Gewalt, eine angemessene Vorsorge vor belastenden Ereignissen sowie die Fürsorge nach letztlich unvermeidbaren Vorfällen im Berufsleben gehören – neben der Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen – seit 150 Jahren zu den wichtigen Faktoren unserer Gewerkschaftsarbeit.“

Rechte und Verhaltenspflichten

Franz-Xaver Vogl, Leiter des Referates „Bahnpolizeiliche Aufgaben“ beim Bundespolizeipräsidium Potsdam: „Aus den Beförderungsbedingungen der Unternehmen ergeben sich für den Fahrgast Rechte, aber auch (Verhaltens-)Pflichten, wenn der Fahrgast die Beförderungsleistung des EVU in Anspruch nimmt. Es ist bedauerlicherweise tendenziell festzustellen, dass Fahrgäste nur ihre Rechte einfordern, jedoch außer Acht lassen, dass ihnen anlässlich der Beförderung im ÖPV auch Pflichten obliegen. Dazu gehört es unter anderem, sich so zu verhalten, dass andere Reisende nicht über Gebühr gestört oder belästigt werden, die Weisungen der Mitarbeiter der EVU zu beachten und keine Gefahren für die Sicherheit und Ordnung zu verursachen.“

Zunehmende Rücksichtslosigkeit

Auch Rainer Wendt, der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, betrachtet die Entwicklung mit Sorge: „Die zunehmende Rücksichtslosigkeit ist nicht nur bei der Bahn zu beobachten, sondern wir haben es mit einem Autoritätsverlust auf breiter Front zu tun. Nicht nur der Zugbegleiter und der Polizist, auch der Lehrer, der Pfarrer und der Arzt gelten heute nichts mehr.“ Zur Abschreckung sprach sich Wendt für die konsequente Anwendung der vorhandenen strafrechtlichen Maßnahmen aus. Hierzu zählt zum einen die von den Arbeitgebern bewusst forcierte Flexibilisierung, durch die sich die ehemals klaren Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zunehmend auflösen. Doch mindestens ebenso schwer wiegt die drastisch gestiegene Gewalt gegen Lokomotivführer und Zugbegleiter.

Konsequente Anwendung des Strafrechts

Der Leiter der DB-Konzernsicherheit Hans-Hilmar Rischke setzt beim Schutz der Beschäftigten vor allem auf den verstärkten Einsatz von Videotechnik: „Zur Vorbeugung vor Gewalt, aber auch wenn unser Personal das Opfer von Straftaten wird, möchten wir die größtmögliche Chance haben, den Täter zu überführen. Dies ist durch Bodycams und Videokameras im öffentlichen Bereich am besten gewährleistet.“ Rischke machte klar, dass Schutz und Sicherheit der DB-Mitarbeiter aller Geschäftsfelder höchste Priorität haben. (GDL)

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