Elektrische Bahnen
Frauen in Führungspositionen bei der Bahn: Trotz generell steigendem Frauenanteil, fehlen die Vorbilder. (Quelle: Pixabay.com)

Frauenanteil in Bahnbranche liegt bei 22 Prozent

Der Frauenanteil in der Bahnbranche in Deutschland liegt inzwischen bei 22 Prozent. Das hat eine aktuelle Umfrage bei den Unternehmen der Allianz pro Schiene ergeben.

Für die Statistik zur Frauenbeschäftigung befragte das Frauennetzwerk der Allianz pro Schiene 150 mittelständische und große Unternehmen aus allen Bereichen der Bahnbranche mit insgesamt rund 232.000 Mitarbeitern. Zum Vergleich: Während das Statistische Bundesamt im Arbeitsgebiet "Kinderbetreuung" etwa 95 Prozent weibliche Angestellte zählt, liegt der Anteil von Frauen bei der Bundeswehr gerade einmal bei zehn Prozent. Mit 22 Prozent rangiert der Frauenanteil in der Bahnbranche in Deutschland über dem EU-Durchschnitt, welcher laut dem europäischen Eisenbahnverband CER im Jahr 2015 bei knapp 20 Prozent lag.

Für mehr gemischte Teams

Die Vorsitzende des Frauennetzwerks, Susanne Kortendick, zeigte sich mit der deutschen Quote noch nicht zufrieden. "Für eine Technik-zentrierte Männerdomäne klingen 22 Prozent nicht ganz schlecht. Aber das reicht uns noch nicht." Aus ihrer Zeit bei der Deutschen Bahn, bei Bombardier Deutschland und jetzt bei der Metro Deutschland weiß Kortendick, "dass es sich in gemischten Teams am besten arbeitet. Darum profitieren alle davon, wenn mehr Frauen in unsere Branche kommen. Wir als Frauennetzwerk wollen zeigen, was die Branche zu bieten hat", sagte Kortendick. Besonders Jobs, in denen Frauen am Umbau des Verkehrssystems hin zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit arbeiten könnten, seien für Bewerberinnen reizvoll.

Größter Rückstand auf der Führungsebene

Auf der Führungsebene gibt es laut Umfrage den größten Handlungsbedarf. In der Bahnbranche ist nur jede sechste Führungskraft eine Frau. Gleichzeitig sind aber 70 Prozent der Teilzeitbeschäftigten Frauen. "Diese Ergebnisse zeigen, dass wir neue Arbeitszeitmodelle brauchen. In unserem Frauennetzwerk sind auch Frauen organisiert, die halbtags arbeiten und trotzdem eine Führungsposition besetzen. Leider sind solche Modelle noch die Ausnahme", erläuterte Kortendick und verwies auf die soeben erschienene "Galerie der starken Frauen" in der Bahnbranche. "Wir haben bei der Eisenbahn bereits einflussreiche Führungskräfte auf allen Stufen der Hierarchie. Wenn solche Erfolgsfrauen Flagge zeigen, kann das Berufsanfängerinnen ermutigen, es mit der Verkehrsbranche zu versuchen."

"Was jungen Frauen fehlt, die sich für technische Berufe interessieren, sind Vorbilder", konstatierte Kortendick. Viele der befragten Unternehmen beklagen, dass ein höherer Frauenanteil schlicht daran scheitere, dass geeignete Bewerberinnen fehlen. So sind etwa nur 3,4 Prozent der Lokführer bei der Deutschen Bahn Frauen. "In diese Lücken stoßen wir mit unserer Frauennetzwerk-Galerie: Wir machen die Frauen sichtbar, die bereits jetzt die Eisenbahn prägen", sagte Kortendick. Zu den Frauen, die schon heute die deutsche Bahnbranche maßgeblich mitgestalten, gehören die BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta, die neue Keolis-Chefin Magali Euverte oder Corinna Salander, erste und einzige Universitätsprofessorin für Schienenfahrzeugtechnik in Deutschland und Europa.

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