Elektrische Bahnen
Koni;
Die iFSD Ventile sind jeweils in Zug- und Druckrichtung eingesetzt, somit fängt der Kraftaufbau nach Richtungsänderung von vorne an und das gegenüberliegende Ventil schließt sich wieder. (Quelle: KONI)

KONI: Exklusiv-Interview mit dem Erfinder der Schlingerdämpfer

Der Schlingerdämpfer ist eine besondere Bauform des Stoßdämpfers. Er kommt bei Schienenfahrzeugen für hohe Geschwindigkeiten (ab 120 km/h) zum Einsatz, um den Sinuslauf des Drehgestells zu optimieren. J. Hinnen, Manager Sales Railway EMEA & ROW KONI ITT und . Boll, Global Manager Application Engineering KONI ITT, gaben der eb - Elektrische Bahnen ein Interview zum Produkt KONI iFSD.

KONI wird primär als Anbieter für die Automobil-Industrie wahrgenommen. Aus welchem Grund ist KONI auch in der Schienenbranche aktiv?

In der Tat, KONI hat einen enormen Bekanntheitsgrad im Automobilbereich, vornehmlich durch die ersten einstellbaren Stoßdämpfer die KONI entwickelt und vertrieben hat. Des Weiteren war KONI auch sehr früh im Auto-Motosport aktiv, was natürlich zu unserem hohen Bekanntheitsgrad beigetragen hat. Dennoch entwickelt und produzieren wir schon seit 1953 Schienenfahrzeugdämpfer und gelten auch hier als Pionier in der Branche.  

Mit der Entwicklung immer schnellerer Züge in den 1960-70er Jahren wurden die Anforderungen an die Drehgestelle immer größer. Zur Stabilisierung der Fahreigenschaften bei hohen Geschwindigkeiten wurden zwischen den Wagenkasten und dem Drehgestell sogenannte Schlingerdämpfer erforderlich. Auch zu dieser Zeit hat KONI Pionierarbeit geleistet und gilt als der Erfinder der Schlingerdämpfer.

Was zeichnet die KONI iFSD Stoßdämpfer aus?  Wofür steht das „I“?

KONIs FSD-Technologie steht für Frequenz-Selektive-Dämpfung. Das „i“ steht für „invert“ und wurde eingefügt, da sich die Schienen iFSD-Dämpfer von der Funktionsweise umgekehrt zu dem im Automobil verwendeten FSD Ventils verhalten.   

Für welchen Einsatz eignen sie sich bei elektrischen Bahnen besonders?

Je nach Anwendung werden zum Verhindern des Schlingerns der Drehgestelle sogenannte Schlingerdämpfer eingesetzt, die insbesondere bei hohen Fahrzeuggeschwindigkeiten hohe Dämpfungskräfte erzeugen müssen.

Diese hohen Dämpfungskräfte sind jedoch in Kurveneinfahrten und Weichenüberfahrten nicht gewollt. Die hohen Dämpfungskräfte verhindern das Eindrehen des Drehgestelles und führen zu hohen lateralen Radschienenkräften, die wiederum den Verschleiß von Rad und Schiene erhöhen.

Diese gegensätzlichen Anforderungen wurden bisher durch elektrisch schaltbare Schlingerdämpfer realisiert. KONI iFSD ist eine rein passive hydraulische Lösung, die keiner externen Steuerung bedarf, und somit auch einfach nachrüstbar ist.

Die erforderlichen hohen Dämpfungskräfte bei hochfrequenten Anregungen sind wie bei einem Standard Schlingerdämpfer gegeben. Bei größeren niederfrequenten Anregungen in gleicher Richtung, wie in engen Kurveneinfahrten oder bei Weichenüberfahrten, öffnet sich ein zusätzliches Ventil, welches die Dämpfungskraft auf einen Bruchteil der ursprünglich eingestellten Dämpfungskraft reduziert.

(Quelle: KONI)
(Quelle: KONI)

Bitte beschreiben Sie die technischen Daten der Stoßdämpfer.

Die Funktion des Ventils kann wie folgt beschrieben werden: Nach Richtungsänderung baut der Dämpfer zunächst wie ein Standard Dämpfer Kraft auf (Punkt A). Bleibt die Bewegung in diese Richtung ausreichend lang genug, öffnet sich das iFSD Ventil und die Kraft reduziert sich von A auf B, abhängig der Dämpfergeschwindigkeit. Die iFSD Ventile sind jeweils in Zug- und Druckrichtung eingesetzt, somit fängt der Kraftaufbau nach Richtungsänderung von vorne an und das gegenüberliegende Ventil schließt sich wieder.

Berechnungen haben ergeben, dass bei Kurveneinfahrten das größte Potential liegt. Wie im oben angezeigten Bespiel, liegt die Querkraft "Y" bei einer Rechts-Kurve von 180 m (bei 50 km/h) am vorderen linken Rad mit iFSD um ca 13% niedriger als mit einem Standard Dämpfer.

Unterhält KONI abgestimmte Strategien im Obsoleszenz-Management?

All unsere Produkte unterliegen dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Im Schienenfahrzeugbereich können wir auf langjährige Beziehungen zwischen unseren Kunden und unseren Partner-Werkstätten zurückgreifen. Rückmeldungen unser Partner, sowie unserer internen Aufarbeitung und der Produktion fließen in die Weiterentwicklung unserer Produkte ein.

Hierdurch sind wir in der Lage den Lebenszyklus unserer Produkte weiter zu verbessern. Besonders herausfordernd sind die unterschiedlichen Infrastrukturzustände, die die Anforderungen an unsere Bauteile signifikant beeinflussen, nicht nur innerhalb Europas, sondern vielmehr weltweit.

Welche Herausforderungen werden auf KONI zukommen und wie werden sie gelöst?

In der Lage zu sein, Kunden- und Markttrends vorherzusagen ist entscheidend für ein verändertes wirtschaftliches Klima. Die richtigen Menschen zu finden und technische Kompetenzen zu entwickeln, ist hierbei der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft. In einer Welt der unmittelbaren Befriedigung erwarten Kunden heutzutage auch „Instant Service“.

Da sich Technologien praktisch mit Lichtgeschwindigkeit verändern und weiterentwickeln, ist es für ITT KONI unerlässlich innovativ zu sein. Die Entwicklung von FSD; eine gezielte Weiterentwicklung der Verschleißkomponenten und somit Lebensdauer der Dämpfer; die Weiterentwicklung des passiven Dämpfungssystems, und die Performanceverbesserung für Hochgeschwindigkeitszüge im Bereich Komfort und Stabilisierung repräsentieren die Säulen der Zukunft für ITT KONI.

Interview-Partner:

J. Hinnen, Manager Sales Railway EMEA & ROW KONI ITT

G. Boll, Global Manager Application Engineering KONI ITT

 

 

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