Elektrische Bahnen
acrps 2017 in Leipzig
Am 8. und 9.3.2017 fand in Leipzig die achte acrps-Konferenz statt. Internationale Konferenz der Wechselstrom-Bahnenergieversorgung zog 550 Teilnehmer und 30 Aussteller an. (Quelle: KFG)

Rückblick auf die acrps 2017 in Leipzig: So gefragt wie nie

Die acrps-Fachtagung wird seit 2003 im Zweijahresrhythmus in Leipzig durchgeführt. Am 9. und 10. März fand sie zum achten Mal statt und zog 550 Experten der Wechselstrom-Bahnenergieversorgung an. Sie gilt geradezu als das Branchenevent mit großem internationalem Zuspruch.

Am 9. und 10. März 2017 fand in Leipzig die 8. Internationale Konferenz der Wechselstrom-Bahnenergieversorgung (acrps) statt. Mit 96 % kam die Mehrzahl der 550 Teilnehmer aus den deutschsprachigen Ländern Deutschland, der Schweiz (46 Teilnehmer) und Österreich (34 Teilnehmer). Aus weiteren europäischen Ländern fanden 17 Experten den Weg nach Leipzig. Je ein Teilnehmer kam aus Indien, Australien, Israel und Thailand. Betreiber großer 50-Hz-Netze wie in China oder auf dem Balkan entsandten keine Vertreter.

In den Foyers des Tagungshotels präsentierten knapp 30 Austeller ihre Produkte und Lösungen zu Themen der Bahnenergieversorgung.

Call for Papers fand gewaltigen Zuspruch

Der Präsident des Eisenbahnbundesamtes (EBA), Herr Gerald Hörster, eröffnete die Fachtagung mit Anmerkungen zum Begriff der Elektromobilität und Ausführungen zum Zulassungsverfahren bei Triebfahrzeugen. Im Zusammenhang mit der diesjährigen Inbetriebnahme der Neubaustrecke Erfurt – Ebensfeld als eines der letzten Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE 8.1) war eine Kritik an der Vielfalt der Spezifikationen des European Train Control System (ETCS) nicht zu überhören. Mit der Spezifikation 3.3 wird eine weitere Variante des ETCS zum Einsatz kommen. Es entstehen Inselbetriebe in Europa. Das Tunnelbegegnungsverbot zwischen Personen- und Güterzügen stellt hohe Anforderungen an die Leit- und Sicherungstechnik.

Ein Call for Papers diente der Themen- und Referentengewinnung. Die Vorträge der Konferenz gliederten sich in die Bereiche Oberleitungen, Bahnenergieversorgung, Schutz- und Leittechnik, Betrieb, Systeme und Umrichter. Da es hier nicht um Elektroenergieerzeugung oder deren Anwendung geht, sind hier auch in Zukunft keine großen Innovationen zu erwarten. Detailverbesserungen dienen der Kostenminimierung, der Erhöhung der Zuverlässigkeit und der Interoperabilität.

Veröffentlichung der Fachvorträge in eb 6-7/2017

Die Fachvorträge werden im Heft 6-7/2017 der Zeitschrift Elektrisch Bahnen als Fachaufsätze veröffentlicht.

Im Einführungsvortrag stellte der Leiter Energie der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) Herr Daniel Koch die Strategie der SBB als Mobilitätsintegrator vor. Bei sinkenden Energiepreisen bedeutet das für die Bahnenergieversorgung Kostenminimierung statt Profitmaximierung. Es wird der gesamte Weg der Energie vom Wasserkraftwerk bis zum Führerstand betrachtet. Dem Anstieg der Lastspitzen im Netz infolge neuer Triebfahrzeuge und den Auswirkungen des Taktfahrplanes möchte man mit einem Lastmanagement begegnen. Man denkt über die Abschaltung von Nebenverbrauchern, wie Klimaanlagen und Weichenheizungen im einstelligen Minutenbereich nach.

In den Erläuterungen zur EN 50119 wies Herr Axel Schmieder auf deren Anhang D hin, indem auf zwei Seiten Hinweise zu zweipoligen Oberleitungsanlagen für den Straßengüterverkehr enthalten sind.

Herr Gunnar Werner von SBB Energie begründete die Nichtrealisierung des Unterwerkes Sedrun im Gotthard-Basistunnel (GBT) mit der Redimensionierung des Güterverkehrs auf der NEAT (Neue Eisenbahn-Alpentransversale) in 2010. Die Masse der Güterzüge wurde von 4 000 t auf 2 000 t reduziert und deren Länge verkürzte sich von 1 500 m auf 750 m.

Vorträge im Halbstunden-Takt

Visuell sehr beeindruckend war der Vortrag von Klaus Leithner, ÖBB-Infrastruktur, zur Kurzschlusslokalisierung im 15-kV-Oberleitungsnetz mit Lichtwellenleiter (LWL). Kurze Filmsequenzen zeigten Kurzschlüsse in der Oberleitung, die vor allem nachts erzeugt wurden. Das in den LWL angewandte distributed acoustic sensing (DAS) lokalisiert die Kurzschlüsse auf 10 m Genauigkeit. Lange Amortisierungszeiten von 15 bis 17 Jahren stehen der Anwendung im Weg.

Den Einsatz nichtkonventioneller Wandler in Hochspannungsanlagen erläuterten die Herren Martin Altmann (Siemens) und Kay Herbst (DB Energie) in ihrem Vortrag über neue Architekturen für Schutz und Steuerung in Unterwerken auf Basis der IEC 61850.

Podiumsdiskussion zur IT-Sicherheit in der Bahnenergieversorgung

Den Abschluss des ersten Tages bildete eine Podiumsdiskussion zur IT-Sicherheit in der Bahnenergieversorgung. Absolute Sicherheit ist nicht möglich. Als wirtschaftliche Abschreckung sollen die Sicherheitshürden in IT-Netzen hochgehalten werden, um teure Hackerangriffe als nicht lohnend darzustellen.

Frau Katja Eischner, Siemens, und Herr Niklas Biedermann von Trafikverket, dem schwedischen Eisenbahninfrastrukturbetreiber, stellten ein weiteres Lastmanagementverfahren vor. Lastspitzen sollen durch Beeinflussung der Zugfahrten verfrühter Züge reduziert werden. Durch Informationen an das Triebfahrzeug sollen energiesparende Fahrweisen erreicht werden. Ein zu diskutierender Ansatz - denn bei vielen Eisenbahnverkehrsunternehmen wird mittels Fahrerassistenzsystemen und Schulung des Personals energiesparendes Fahren bereits implementiert.

eb Award acrps 2017
Falk Angermann erhält den eb-Award für seinen stilitisch und wissenschaftlich herausragenden Beitrag zum Diesel-Hybrid Eco Train; Falk Angermann, Thomas Groh (federführender Herausgeber eb), Dr. Steffen Röhlig (Chefredakteuer eb; v.l.n.r.). (Quelle: KFG)
Der eb-Award 2017.

Dass statische Umrichter auch in 50-Hz-Bahnenergieversorgungsnetzen Fuß fassen, erläuterte Herr Trevor Bagnall von den Queensland Rail aus Australien am Beispiel des Wulkuraka Projektes.

Im Schlussvortrag beschrieb Herr Steffen Liebig, VEM Sachsenwerk, die Revision und Modifikation der Syn-Syn-Umformer für den Einsatz in Norwegen. Warum der norwegische Eisenbahninfrastrukturbetreiber Jernbaneverket keine neuen Umrichter sondern diese klassischen Umformer aus Reichsbahn-Zeiten einsetzen wird, war dem Vortrag nicht zu entnehmen.

eb-Award 2017 geht an Falk Angermann

Den eb-Award erhielt Herr Falk Angermann für seinen stilistisch und wissenschaftlich herausragenden Beitrag Diesel-Hybrid Eco Train mit Nachladung aus der Wechselstromoberleitung, erschienen in eb – Elektrische Bahnen Heft 1/2017. Mit dem Award wird der wissenschaftliche Austausch im dynamischen Feld der Elektrotechnik im Verkehrswesen angeregt. Teilnehmen können Nachwuchsingenieure, Absolventen und Studenten, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht älter sind als 35 Jahre. Die Auswahl des Gewinners übernehmen Herausgeber, Beirat und Redaktion der eb – Elektrische Bahnen. Beiträge können laufend eingereicht werden. Für die Berücksichtigung zur Auswahl für die acrps 2019 ist die Einsendung bis 9. November 2018 erforderlich.

Ein nicht zu unterschätzender Teil der Fachtagung ist der zwanglose Gedankenaustausch unter den Fachleuten in den Tagungspausen und in dem traditionell in der Moritzbastei stattfindenden Get Together.

Die nächste acrps-Fachtagung findet am 28. und 29. März 2019 statt. (Siegfried Graßmann/kfg)

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