Elektrische Bahnen
Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch
Über ein paar Hundert Euro mehr oder weniger ist oft entscheidend in Gehaltsverhandlungen. (Quelle: Andreas Hermsdorf/Pixelio.de)

Tipps: Professionelles Auftreten bei Gehaltsverhandlungen im Bewerbungsprozess

Gehaltsverhandlungen kosten Überwindung. Warum man jedoch kein schlechtes Gewissen zu haben braucht und wie Sie sich auf Gehaltsverhandlungen im Bewerbungsprozess vorbereiten können, das erfahren Sie exklusiv von unserer Karriereberaterin Hilde Freund.

Die Leserzuschrift:

Liebe Frau Freund,

ich möchte gerne meinen Arbeitgeber wechseln. Seit nunmehr sechs Jahren bin ich in der Bahnbranche tätig. Mit einem Wechsel verbunden, ist auch die Hoffnung auf eine Gehaltssteigerung. Dennoch tue ich mich schwer, einen konkreten Betrag anzugeben. In vielen Stellenangeboten wird dies ja bereits mit der Einreichung der Unterlagen gefordert. Wie soll ich mich hier verhalten? Von Natur aus bin ich eher zurückhaltend. Das Thema liegt mir nicht. Bis auf eine turnusmäßige Gehaltsanpassung hat sich da bei mir in den letzten Jahren nicht viel getan. Wenn ich dann noch an das Vorstellungsgespräch denke, in welchem ich vielleicht sogar noch das geforderte Gehalt verteidigen muss, zieht sich mir schon der Magen zusammen. Was können Sie mir zu einem professionellen Verhalten in dieser Angelegenheit raten?

 

Sehr geehrter eb Leser,

ich kann Ihr Bauchgrummeln gut verstehen. Glauben Sie mir: Der Mehrheit der Bewerber geht es genauso. Meine Erfahrung zeigt, dass Ingenieuren das sich selbst Präsentieren und Vermarkten nicht unbedingt in die Wiege gelegt ist – so exzellent sie diese Fähigkeit bei ihren Projekten und Entwicklungen auch oft beherrschen.

Aus Ihrer Beschreibung folgere ich, dass in den sieben Jahren Ihrer Firmenzugehörigkeit vermutlich keine großen Gehaltssprünge für Sie drin waren. Ich finde Ihr Ansinnen absolut legitim: Sie möchten sich verändern und weiter entwickeln, was durchaus auch mit einer Gehaltssteigerung einhergehen kann und sollte. Es ist richtig, dass bereits in den Stellenausschreibungen häufig die Bitte nach Angabe einer Gehaltsvorstellung geäußert wird. Dieser Bitte nicht nachzukommen, ist für das suchende Unternehmen natürlich nicht sonderlich zufriedenstellend. Es nicht zu tun, kann also durchaus dazu führen, dass man gleich ein wenig negativ auffällt. Daher mein Ratschlag: Geben Sie, wenn gewünscht, hier eine erste Orientierungshilfe an. Tun Sie es nicht, wird es im Vorstellungsgespräch dadurch auch nicht einfacher, im Gegenteil.

Spannen meiden

Jetzt stellt sich natürlich die Frage nach der Größenordnung Ihrer Angabe: Benennt man eher eine konkrete Zahl oder eine Bandbreite? Geben Sie besser keine Spanne „von - bis“ an. Hier wird man sich logischerweise immer an der unteren Grenze orientieren, das wäre wenig zielführend für Sie.

Welche Steigerung zum aktuellen Gehalt ist realistisch, ohne über das Ziel hinauszuschießen? Das hängt ein Stück weit davon ab, ob Sie sich bei einem Großkonzern oder bei einem kleineren Mittelständler bewerben, und in welcher Region das Unternehmen angesiedelt ist. Man kann sich im Vorfeld zu diesem Thema einiges an Informationen beschaffen. Es gibt einschlägige Gehaltsstudien, beispielsweise vom VDI, der regelmäßig die Ingenieureinkommen monitort. Im Internet finden Sie weitere Quellen. Im Kollegen-, Freundes- und Bekanntenkreis ist das Thema Salär ja oft ein No-go. Zumindest in Deutschland wird darüber nicht gesprochen, während es zum Beispiel in den USA ganz normal ist, sich gegenseitig nach dem Verdienst zu fragen.

Zwei konkrete Beispiele

Hier zwei konkrete Beispiele, wie Sie diese Frage im Bewerbungsanschreiben beantworten können:

  1. „Mein aktuelles Jahresgehalt liegt bei EUR xyz p. a. Darauf basierend würde ich gerne mit Ihnen in die Verhandlung treten.“ Damit signalisieren Sie, dass Sie mit einer adäquaten Steigerung rechnen.
  2. „Als Einstiegsgehalt stelle ich mir EUR xyz p. a. vor. Darüber und über weitere Paketbestandteile wie Altersvorsorge etc. würde ich mich sehr gerne mit Ihnen im persönlichen Gespräch austauschen."

Wenn Sie sich vollkommen unsicher sind, wie die Größenverhältnisse bei einer konkreten Position aussehen könnten, lässt sich auch folgender Ausweg finden:

„Über weitere Themen wie Gehalts- und Einstiegskonditionen würde ich mich gerne mit Ihnen im direkten Dialog austauschen.“

Überzeugen statt verteidigen

Im Gespräch selbst müssen Sie dann auch in der Regel nichts „verteidigen“, sondern sachlich und überzeugend argumentieren, wie sich Ihre Gehaltsvorstellung begründet. Mein Tipp: Werden Sie so konkret wie möglich, ohne tiefzustapeln, ohne Selbstüberschätzung und ohne die Bodenhaftung zu verlieren.

Beispiele:

  1. „Sollte ich bei Ihnen starten, ist diese Position ja auch mit mehr und größerer Verantwortung verbunden. Ich denke, dass mein Gehaltswunsch diesbezüglich und auf Grund meiner Expertise und fachlichen Kompetenz gerechtfertigt ist.“
  2. „Sie suchen einen kompetenten Experten mit mehrjähriger Erfahrung im Bahnbereich. Diese Anforderungen kann ich definitiv erfüllen. Ich denke mein Gehaltswunsch ist marktkonform und rechtfertige das über mein Knowhow und meine hohe Motivation.“

Mit offenen Karten im Vorstellungsgespräch

Ich bin selbst in vielen Vorstellungsgesprächen mit anwesend, und meistens läuft das reibungslos ab: Der Bewerber äußert sein Wunschgehalt und erläutert diese Angabe. Seitens des potentiellen Arbeitgebers gibt es dann zwei Szenarien: Entweder man nimmt Ihre Aussage zunächst einmal kommentarlos mit in die weiteren Überlegungen, oder die Firma legt Ihnen dar, innerhalb welcher Parameter sich ein mögliches Paket für Sie darstellen kann. Das ist meine bevorzugte Variante, denn dann wissen beide Seiten schon einmal in groben Zügen, worauf es hinausläuft und der weitere Bewerbungsprozess kann klar und transparent ausgesteuert und fortgeführt werden. Kommt es dann um Abschluss eines Arbeitsvertrages, muss nicht nochmals umständlich nachverhandelt und angepasst werden.

Bei allem Taktieren in punkto Gehalt dürfen wir nicht vergessen: Dieses Thema ist zwar ein wichtiger, aber dennoch nur ein Teilaspekt einer Bewerbung. Sobald man sich einmal kennengelernt hat, sind Punkte wie die berühmte „Chemie“, die Unternehmenskultur und der Spirit, den die Menschen ausstrahlen, die Aufgabe an sich und die Perspektiven in der Zukunft oft ausschlaggebender für eine positive oder negative Entscheidung.

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