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Rectruitingmessen
Da es auf Messen meist hektisch zugeht, sollt man auf einige Dinge im Gespräch mit potenziellen Arbeitgebern achten. (Quelle: Rainer Sturm/Pixelio).

Doppelinterview (1/2): Recruitingmessen - Wie überzeuge ich in 10 Minuten?

Im ersten Teil unseres Doppelinterviews zum Thema "Recruitingmessen - Wie überzeuge ich in 10 Minuten" gibt Hilde Freund, Karrierecoach und Personalberaterin, Tipps, wie die Vorbereitung auf eine Jobmesse funktioniert und wie man den besten Nutzen daraus ziehen kann. Der zweite Teil des Interviews erscheint nächste Woche - dann im Gespräch mit Sandra Hoffmann, Leiterin Personalentwicklung, Personalmarketing und Recruiting, Bertrandt AG.

Hilde Freund Karrierecoaching

Frau Freund, worauf muss ich als Bewerber besonders achten, wenn ich mich auf Messen bei potentiellen Arbeitgebern präsentiere?

Das Thema Jobsuche sollte man planvoll und gut organisiert angehen. Ich vergleiche es immer mit einem komplexen Projekt, das nur erfolgreich gemanagt werden kann, wenn der Projektleiter die entscheidenden Kriterien a) richtig aufgesetzt und b) jederzeit im Griff hat. Hier ein kleiner „Projektplan zur Stellensuche“:

  1. Analysieren Sie Ihre aktuelle Situation und stellen Sie sich eine Liste Ihrer „Wunsch-arbeitgeber“ zusammen. Hier fließen die Kriterien ein, die Ihnen wichtig sind: Branche, Konzern oder Mittelstand, regional, national, international.
  2. Vergleichen Sie Ihre Wunschliste mit der Ausstellerliste der Messe, die sie besuchen wollen. Parallel dazu finden Sie vermutlich auch noch weitere Unternehmen im Ausstellerkatalog, an die sie nicht gleich gedacht haben und die für Sie interessant sind.
  3. Checken Sie die Homepage der Firmen und prüfen, welche Stellen derzeit dort vakant und ausgeschrieben sind (der Info halber). Informieren Sie sich generell über die von Ihnen bevorzugten Unternehmen.
  4. Bereiten Sie sich auf die einzelnen Gespräche vor, in dem Sie Fragen und Argumentationen durchspielen, z. B.: Welche meiner Skills und Erfahrungen sind für das Unternehmen von Nutzen? Wie erkläre ich meine Wechselmotivation, bzw. meinen Wunsch, gerade bei dieser Firma arbeiten zu wollen? Welche mir wichtigen Fragen will ich in diesem kurzen Gespräch stellen?

Ein Messegespräch ist meist geprägt von Unruhe, Hintergrundlärm und Störungen. Dadurch kann es schon per se nur ein erster Einstieg, ein erstes Kennenlernen sein, das da entsteht. Umso wichtiger ist es, einen guten, authentischen und möglichst nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Welche Unterlagen sollte ich dabei haben?

Bitte nicht zu viel auf die Messe mitschleppen! Heutzutage läuft ja ohnehin nahezu alles papierlos. Aber auch Daten zum Herunterladen auf Sticks finden bei den Firmenvertretern am Messestand keinen großen Anklang. Dafür ist meist die Zeit zu knapp bemessen. Unterlagen in Papierform gehen im allgemeinen Messegewusel oft unter. Daher mein Tipp: Wenn Sie eine persönliche Visitenkarten haben, oder – noch besser – einen kurzen knackigen „Steckbrief“ von sich anfertigen (z. b. in A5- oder Postkartenformat), reicht das als Reminder. Sie melden sich dann ja eh zeitnah bei Ihrem Gesprächspartner wieder.

Was ist der richtige Auftritt als potentieller Bewerber gegenüber dem Unternehmen?

Hier gilt es, das richtige Maß zu finden zwischen „casual“ und „overdressed“. Während man zu einem offiziellen Vorstellungsgespräch in der Regel mit Anzug (wahlweise mit oder ohne Krawatte) erscheint, darf es bei einem Messetag etwas legerer sein. Ein gepflegte Jeans oder Stoffhose und ein schickes Hemd sind okay. Und die Schuhe sollten auf jeden Fall ordentlich aussehen, ob Sneakers oder die Lederversion! Ein wenig hängt es natürlich auch von der Position des Bewerbers ab: ein Abteilungsleiter wird anders auftreten als ein Young Professional / Berufseinsteiger, der ruhig noch etwas „studentischer“ daherkommen darf. Ein weiteres Kriterium ist das Studium: die Ingenieure sind in der Regel pragmatischer unterwegs, was den Dresscode angeht; bei den BWL’lern gehört der Anzug eher zum Alltag

Wann sollte man im Nachgang zum ersten Kontakt auf der Messe nochmals nachhaken?

Im Gegensatz zu einer konkreten Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle – dort sollte man schon eine gewisse Geduld für die internen Prozessabläufe zeigen und nicht zu starken Druck aufbauen - würde ich nach einem Messekontakt nicht zu lange warten. Man sollte den noch „frischen“ Eindruck und den persönlichen Kontakt, den man im Messegespräch knüpfen konnte, möglichst zeitnah wieder aufgreifen und innerhalb der folgenden Tage seine gut ausgearbeiteten und natürlich individuell angepassten Bewerbungsunterlagen an das Unternehmen schicken. Idealerweise gleich an den betreffenden Ansprechpartner, den man auf der Messe kennengelernt hat mit dem klaren Bezug im Text: „Ich habe mich sehr über unser gestriges Kennenlernen auf der Messe gefreut und fand unser Gespräch und die Möglichkeiten in Ihrem Unternehmen hochinteressant. ….“

Vielen Dank für das Gespräch!

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews.

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