Elektrische Bahnen
Linked In; Social Media; Xing; Jobplattform
Immer mehr Arbeitnehmer vernetzen sich auf Online-Business-Plattformen wie Xing und LinkedIn - und hoffen auf den ganz großen Karrieresprung. (Quelle: Pixabay.com)

Wie Xing und LinkedIn im Beruf weiterhelfen - und in welchen Fällen nicht

Dabei sein ist nicht alles. Wenn man auf Xing oder LinkedIn ein Profil anlegt, muss man auch ein bisschen Zeit investieren, um es zu pflegen. Dann aber kann es helfen, neue Kontakte einzugehen, alte aufzufrischen und sogar einen besseren Job zu bekommen. Wie Sie aus solchen Business-Netzwerken das Beste für sich herausholen, verrät Hilde Freund.

Karriereberatung; Hilde Freund
Frau Hilde Freund beantwortet auch gerne Ihre Leserfrage zum Thema Karriere und Recruiting. (Quelle: Hilde Freund)

Die Leserzuschrift:

Sehr geehrte Frau Freund,

ich möchte mir bei einer der Online-Plattform für das Business-Networking einen Account anlegen. Primär denke ich dabei an Xing oder LinkedIn. Hier stellt sich schon die erste Frage: Wo liegen die Unterschiede der Portale und soll ich mich bei beiden Portalen anmelden? Ich frage mich nun natürlich auch, welche Angaben dort überhaupt relevant sind und ob ich alle Stationen meiner „Karriere“ ab der Grundschule dort hinterlegen soll.

Zudem ist mir nicht ganz klar, wie das Netzwerken auf solchen Portalen tatsächlich funktioniert und welche Chancen sich mir hierbei zusätzlich eröffnen. Ist das wirklich nachhaltig oder eher ein Firmen-Facebook? Bislang habe ich die knapp zwanzig Jahre in der Branche auch gut ohne Xing und Co überlebt, aber man will sich ja nicht abhängen lassen. Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Einblicke!

 

Sehr geehrter Fragesteller,

die von Ihnen angesprochenen Plattformen XING und LinkedIn sind Marktführer im Bereich der Online-Business-Netzwerke. Die Betonung liegt dabei klar auf dem Wort Business – für private Kontakte ist Facebook definitiv der bessere Ort. Entsprechend ist auch deren Nutzung, die mittlerweile einen absolut professionellen und nachhaltigen Stellenwert im Geschäftsleben einnimmt.  

Der Unterschied zwischen XING und LinkedIn liegt zunächst einmal vor allem in Größe und Verbreitung: LinkedIn ist mit über 400 Millionen Usern (ca. 8 Mio. in Deuschland/Österreich/Schweiz) das weltweit größte Business-Netzwerk und sehr international geprägt. XING hat derzeit 11 Millionen Mitglieder und ist speziell im D/A/CH-Bereich stark vertreten. Also ist schon mal klar: Wer internationale Kontakt-Möglichkeiten sucht, hat mit LinkedIn die besseren Chancen. Auf den deutschen Markt bezogen hat nach wie vor XING die Nase vorn.

Es wäre noch interessant zu wissen, welche Intention Sie mit dem Einstieg in eine solche Online-Plattform verknüpfen: Geht es Ihnen darum, neue Kontakte zu knüpfen, sich Netzwerke zu erschließen und sich innerhalb der Branche über Fachthemen auszutauschen? Oder möchten Sie auch mal jobtechnisch über den Tellerrand schauen und herausfinden, welche Chancen Sie aktuell am Markt haben?

Netzwerk als Austausch- oder Gruppen-Plattform

Wenn Sie das Netzwerk als Austausch- und Gruppen-Plattform nutzen möchten, werden Sie sich rasch selbst zurechtfinden: Durch die Angaben, die Sie in Ihrem Profil hinterlegen (darauf komme ich gleich nochmal zurück), werden Ihnen automatisch passende Foren angeboten. Im Lauf der Zeit wird sich Ihr Netzwerk sukzessive erweitern. Haben Sie zum Beispiel auf einer Fachmesse oder einem Seminar einen interessanten Menschen kennengelernt, den Sie zudem noch sympathisch finden? Dann bietet es sich doch an, sich über XING und Co. zu vernetzen und so auf unkomplizierte Weise in Kontakt zu bleiben. Ebenso werden Sie von anderen Mitgliedern Kontaktanfragen erhalten – die Sie jedoch nicht zwangsläufig akzeptieren müssen, das entscheiden alleine Sie.

Wie hilft das Business-Netzwerk wirklich?

Reden wir jetzt genauer über das Thema „Nutzung als Karriereplattform“. Das ist natürlich ein relativ bequemer Weg, jobtechnisch mal  die Nase in den Wind zu halten – also sich suchen zu lassen / gefunden zu werden, ohne gleich den gesamten Ablauf einer „offiziellen“ Bewerbung in Gang zu setzen. Ich nehme hier einmal den Profileintrag in XING als Beispiel: Ein Erfolg steht und fällt mit den Angaben, die Sie in Ihrem Profil hinterlegen: Es muss ein klares, transparentes und aussagekräftiges Bild von Ihnen daraus hervorgehen.

Ihre Berufserfahrung sollte eine Kurzform Ihres Lebenslaufs darstellen: rein auf die berufliche Tätigkeit konzentriert, angefangen bei Ausbildung bzw. Studium. Gerne mit aussagekräftigen Details: Näheres zu Projekten, an denen Sie mitgewirkt oder die Sie gemanagt haben, spezielle Erfolge und so weiter. Je klarer Sie hier sind, desto größer ist die Chance, dass man Sie findet. Vergegenwärtigen Sie sich, das Personaler aus Unternehmen ebenso wie Personalberater / Headhunter auf der Plattform gezielt nach bestimmten Schlagwörtern suchen. Arbeiten Sie deshalb mit Schlüsselbegriffen. Nennen Sie Ihre jeweiligen Arbeitgeber, samt Größe und Angabe der Homepage. Geben Sie Ihren Wohn- bzw. Arbeitsort an und am besten auch den Radius, in dem Sie örtlich mobil sind. So vermeiden Sie, Angebote aus Regionen zu erhalten, die für Sie nicht in Frage kommen. Geben Sie Ihre Sprachkenntnisse an. Ein Foto hilft für den ersten persönlichen Eindruck sehr – und zwar eine gut gemachte, professionelle Aufnahme! Nutzen Sie auch den Bereich: „Ich suche… / Ich biete“.  Ich suche: Drücken Sie kurz und konkret aus, woran Sie interessiert sind. Ich biete: wecken Sie mit prägnanten Worten die Neugier auf Ihre Person! Noch ein Wort zum Thema Hobbys / Private Interessen: Überlegen Sie gut, was Sie zu diesem Punkt von sich preisgeben möchten. Geben Sie einen kurzen Einblick, womit Sie sich in Ihrer Freizeit beschäftigen oder was Ihnen am Herzen liegt. Meiner Meinung nach sind beispielsweise politische Gesinnungen oder religiöse Mitgliedschaften zu persönlich, um hier genannt zu werden.

Zudem haben Sie die Möglichkeit, Ihren Status zu definieren: von „Aktiv auf Jobsuche“ über „Nicht auf Jobsuche, offen für Angebote“ bis hin zu „Derzeit nicht an Jobangeboten interessiert“ können Sie die Reaktionen auf Ihr Profil ein Stück weit steuern und kanalisieren. Wenn Sie beispielsweise bei XING den geschützten Bereich „Pro Jobs“ auswählen, können Sie Ihre Berufswünsche sehr detailliert hinterlegen und schließen durch die eingeschränkte Sichtbarkeit gleichzeitig aus, dass diese Punkte für Kollegen oder Vorgesetzte aus Ihrem aktuellen Unternehmen abrufbar sind. Viele weitere Tipps finden Sie auch direkt auf der Website des jeweiligen Anbieters.

Nicht jeder kann alles sehen

Das Thema „Einstellungen“ ist ebenfalls ein wichtiges: Hier entscheiden Sie, wer Ihr Profil lesen kann, von wem Sie gefunden werden möchten (Privatsphäre), wann / wie oft / welche Informationen Sie erhalten möchten und so weiter. Sie werden merken: Das ist keine einmalige Sache, sondern ein laufender und sich verändernder Prozess. Mit etwas mehr Routine werden Sie hier sinnvolle Feinjustierungen vornehmen können.  Ebenso werden sie mit der Zeit herausfinden, wie Sie Ihr Profil interessant und attraktiv gestalten, um die richtigen Leute auf sich aufmerksam zu machen. Es geht ja nicht darum, möglichst viele Profilbesucher und Kontakte zu haben – das Ganze sollte sich für Sie persönlich als zielführend und nutzbringend erweisen.  

Die Portale bieten immer die Möglichkeit einer kostenlosen Basis-Mitgliedschaft. Das wäre vielleicht für Sie zum Start eine gute Option – sollten Sie dann im Verlauf feststellen, dass Ihnen dieses oder jenes Feature, ein Zugriff oder für Sie relevante Infos fehlen, können Sie immer noch über eine kostenpflichtige „Premium“-Version nachdenken (ProJobs ist auch so eine) – was ich Ihnen, um ein optimales Ergebnis zu erreichen, empfehlen würde.  

Halten Sie sich an den Kommunikationskodex

Wie auch immer Ihre Wahl ausfällt und egal wo Sie Ihr Profil einstellen – wichtig ist, dass Sie es pflegen und stets up-to-date halten, damit es Ihnen auch tatsächlich den gewünschten Nutzen bringen kann. Ebenso essentiell ist die Einhaltung eines gewissen Kommunikationskodex: Man antwortet auf Angebote und Kontaktanfragen und lässt sie nicht versanden. Dabei ist ein kurzes, höflich begründetes Nein absolut akzeptiert und überhaupt kein Problem.            

Natürlich werden Sie die nächsten zwanzig Jahre auch ohne XING und Co. beruflich überleben. Es kommt darauf an, wie man es sieht: die Online-Portale können eine Bereicherung des Berufslebens darstellen, indem sie Wissen und Netzwerke erweitern und die Möglichkeiten am Markt aufzeigen. Und es ist wie so oft im Leben: Man muss diese Instrumente richtig für sich zu nutzen wissen, damit man sich nicht überflutet und genervt fühlt, sondern das gewünschte Ergebnis damit erzielt.

Ich hoffe ich habe Sie mit meiner Antwort eher dazu ermutigt, ins Online-Networking einzusteigen – es ist eine interessante Sache und erweitert den eigenen Horizont.

Ich wünsche gutes Gelingen!  

 

Frau Freund berät auch Sie in Karrierefragen gerne und individuell. Natürlich anonymisieren wir Ihre Daten. Ihre Karrierefrage senden Sie an: info@innotech-medien.de.

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