Automatischer Vorsichtsbefehl bei Betriebsgefahr

In der Schweiz hat die BLS entlang ihres 420 km langen Streckennetzes rund 1 700 Schutzvorrichtungen gegen Naturgefahren installiert. Davon sind rund 200 elektrisch überwacht und bewirken bei einem gefährlichen Ereignis das automatische Ausschalten der Fahrleitungsspannung. Im gesamten BLS-Netz passiert das ein bis drei Mal pro Jahr, davon allein auf der Lötschberg-Südrampe ein bis zwei Mal.

Wegen dieser besonderen Verhältnisse gilt bei der BLS seit nunmehr rund 30 Jahren jedes Ausbleiben der Fahrleitungsspannung als Auftrag zum sofortigen Bremsen und – soweit überhaupt möglich – Weiterrollen mit höchstens 40 km/h und auf Sicht. Bei der SBB galt noch länger eine 30-s-Regel, sie übernahm aber später die BLS-Regel. Diese wurde 2006 vom Bundesamt für Verkehr generell verordnet, „um das Risiko eines Aufpralls möglichst klein zu halten“ und weil die Lokomotivführer die 30 s „kaum kontrollieren und einhalten“ könnten. In der Tat können Züge des konventionellen Fernverkehrs, von Intercity bis Huckepack, mit sofort eingeleiteter Betriebsbremsung in dieser kurzen Zeit schon auf etwa die halbe Höchstgeschwindigkeit verzögern.

Nicht in allen Ländern gibt es so exponierte Streckenabschnitte wie in der Schweiz. Die generellen Ursachen für Fahrleitungsschäden wie umgestürzte Bäume oder im Extremfall ein abgestürztes Bauwerksteil sind aber überall gleich. In Deutschland gibt im betrieblich-technischen Regelwerk von DB Netz die Richtlinie 492.1005 seit Ende 2016 vor, beim Ausfall der Fahrleitungsspannung nach 30 s Karenzzeit „an geeigneter Stelle“ anzuhalten.

Quelle: depart 1/2020, eb 8-9/2006, http://fahrweg.dbnetze.com/ fahrweg-de/start

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