Zweikraft-/Zweispannungs-Triebzüge Frankreich – Deutschland

Triebzug Alstom Coradia Polyvalent (Foto: Alstom).

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Zweikraft-/Zweispannungs-Triebzüge Frankreich – Deutschland

Im Oktober 2019 bestellten die SNCF und die Region Grand Est 30 Coradia Polyvalent-Triebzüge bei Alstom für den grenzüberschreitenden Regionalverkehr Frankreich – Deutschland. Die Zweikraft- (Elektrisch/Diesel) und Zweispannungszüge für AC 25 kV 50 Hz und AC 15 kV 16,7 Hz sollen ab Dezember 2024 auf folgenden Strecken eingesetzt werden:

  • Metz – Perl – Trier
  • Metz – Forbach – Saarbrücken
  • Strasbourg – Sarreguemines – Saarbrücken
  • Strasbourg – Wissembourg – Neustadt a. d. Weinstraße
  • Strasbourg – Offenburg
  • Müllheim – Mulhouse
  • Karlsruhe – Wörth – Strasbourg

Die vierteiligen niederflurigen Triebzüge der Radsatzfolge Bo’2’2’2’Bo’ sind mit vier 425-kW-Synchronmotoren mit Permanentmagneten ausgestattet und für 160 km/h Geschwindigkeit zugelassen. Wie fast alle Komponenten sind die vier 340-kW-Dieselmotoren von MAN-auf dem Dach untergebracht.

Das Projekt wird von den Bundesländern Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mitfinanziert sowie über das Programm Interreg Oberrhein mit Mitteln aus dem europäischen Fonds für interregionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Die erste Vorseriengarnitur des Coradia Polyvalent-Zugs verließ am 12.  Mai 2021 den Alstom-Standort Reichshoffen in Frankreich in Richtung Prüfzentrum DB Systemtechnik in Minden. Als erste Zertifizierungs- und Zulassungsprüfungen wird das Fahrverhalten des Laufwerkes untersucht. Anschließend finden im Prüfzentrum Velim in Tschechien die Tests der Zugkräfte des Antriebes, des Bremssystems, der elektromagnetischen Verträglichkeit und der Geräuschemissionen statt.

Die zwei Jahre andauernden Prüfungen auf dem deutschen Streckennetz beginnen im März 2022. Die Teams des Bereichs Zertifizierung und Validierung am Alstom-Standort Reichshoffen werden bei der Prüfreihe mit DB Systemtechnik zusammenarbeiten. Anschließend erhalten die Organisationen Certifer in Frankreich und AEBT (Certifer-Tochter für Deutschland) die Zulassungs- und Zertifizierungsunterlagen, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse den technischen Spezifikationen der Interoperabilität (LOC & PAS und PRM 2014 TSI) entsprechen.

Wieviel Zeit solche Entwicklungen gebraucht haben, zeigt die Erinnerung eines Zeitzeugen:
Anfang der 1990er Jahre war untersucht worden, ob für den Einsatz französischer 25-kV-Triebzüge in der Relation Metz – Saarbrücken die 15-kV-Oberleitungen des 5,5 km langen Streckenabschnitts Saarbrücken – Grenze umschaltbar gemacht werden könnten.

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