Elektrische Bahnen

110 Jahre eb Elektrische Bahnen

2013 feierte die eb ihren 110. Geburtstag - ein spannender Werdegang, geprägt durch die rasanten gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen eines ganzen Jahrhunderts.

Herausgeber und langjährige Wegbegleiter lassen die Entwicklung Revue passieren, ziehen ihr Fazit und blicken auf die nächsten 110 Jahre der eb.

Geleitwort der Herausgeber zu 110 Jahre eb Elektrische Bahnen

eb Herausgeber

"Die Zeitschrift eb Elektrische Bahnen wurde im Jahr 1903 gegründet und blickt somit auf 110 Jahre technisch-wissenschaftliche Begleitung dieses Fachgebietes zunächst im deutschsprachigen Raum und in den letzten Jahren zunehmend darüber hinaus zurück. Herausgeber und Redaktion haben sich daher entschlossen, in dem diesem Anlass gewidmeten Heft in der eb erschienene Aufsätze aus diesem Zeitabschnitt wieder abzudrucken, die wesentliche Meilensteine aus den unterschiedlichen Teilgebieten der elektrischen Traktion im Nah- und Fernverkehr im jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Umfeld behandeln. Auch in diesem Fachgebiet basieren Weiterentwicklungen einmal auf dem technischen Fortschritt aber auch auf den Erfahrungen bei der Anwendung des jeweiligen technologischen Standes.

Die Ziele und Anliegen der eb beschreibt das Grußwort der Herausgeber zum 100. Jubiläum. Verlag, Herausgeber und Redaktion handeln weiterhin danach. Die eb sieht sich als Bindeglied zwischen Bahnbetreibern, Bahnindustrie und Wissenschaft und möchte den Erfahrungsaustausch zwischen diesen an der elektrischen Bahn interessierten Gruppen fördern. Die eb ist Mitveranstalter der acrps-Tagung, die den Wechselstrombahnen gewidmet ist, im zweijährigen Turnus stattfindet und sich eines steigenden Zuspruchs erfreut.

Die Herausgeber nehmen das kleine Jubiläum wahr, um allen zu danken, die zum Erreichen der gesetzten Ziele bisher beitrugen und hoffen auch weiterhin auf deren Unterstützung. Die eb lebt davon und ist darauf angewiesen. Die Autoren erstellen ihre Beiträge mit beträchtlichem Zeitaufwand, häufig außerhalb ihres normalen Arbeitstags und ohne adäquates Honorar; die Unternehmensleitungen der Autoren regen interessante Themen an und geben die Beiträge frei, was heute nicht mehr selbstverständlich ist. Die Redaktion leistet nebenberuflich mit großem Engagement beträchtliche Detailarbeit vom Beschaffen der Beiträge bis hin zu deren Druck.

Die Leser bestimmen den Erfolg der eb. Der Vertrieb über elektronische Medien soll das Interesse weiterer Leser wecken. Allen Abonnenten gilt der Dank für die meist langjährige Treue zur eb. Die eb ist, wie viele andere Medien auch, auf die Unterstützung durch die Inserenten angewiesen. Die Herausgeber danken allen, die mit Inseraten auf ihre Produkte hinweisen. Sie treffen auf einen fachkundigen Leserkreis.

Die erfolgreiche Geschichte der eb begreifen die Herausgeber als Verpflichtung für die Zukunft. So wünschen sie dem elektrischen Bahnbetrieb, der vor allen in Ballungszentrum ohne Alternative ist, und den damit befassten Personen und Institutionen viel Erfolg"

Im Namen der Herausgeber der eb Elektrische Bahnen

Thomas Groh und Friedrich Kießling


eb Elektrische Bahnen – Kompetenter Begleiter der elektrischen Zugförderung

Volker Kefer, Deutsche Bahn

"Vor 110 Jahren, im Juni 1903, erschien das erste Heft Elektrische Bahnen – Zeitschrift für das gesamte elektrische Beförderungswesen. Es ist bezeichnend, dass zu einer Zeit als der elektrische Antrieb noch in den Kinderschuhen steckte, sich Ingenieure zusammenfanden, die die neuesten Erkenntnisse auf diesem Gebiet in einer Zeitschrift zusammenführten.

Das äußere Bild der eb Elektrische Bahnen – Elektrotechnik im Verkehrswesen wie sie heute heißt, hat sich vielfach gewandelt. Aber immer ist es den Machern gelungen, die Entwicklung des elektrischen Betriebs nicht nur zu begleiten, sondern auch voranzutreiben. Angefangen von der Grundlagenforschung über neue Lokomotiven, elektrische und elektronische Ausrüstungen bis hin zu Erfahrungsberichten aus der Praxis spiegelt diese Zeitschrift das gesamte Spektrum aus 110 Jahren Ingenieurwissen über den elektrischen Bahnbetrieb wider. Blättert man in der eb, so finden sich Artikel über Inbetriebnahmen von Kraftwerken, Tests von Lokomotiven oder auch Berichte über Rekordfahrten.

Von Beginn an war elektrische Bahntechnik auch ein Türöffner und Katalysator für die gesamte Elektrowirtschaft. So stand beispielsweise der Kraftwerksbau Anfang des vorigen Jahrhunderts ganz am Anfang. Die größten damals errichteten Kraftwerke waren Bahnkraftwerke. Auch der Bau von Überlandleitungen wurde durch die Bahn forciert. Technische Entwicklung wie der Asynchronmotor, Stromrichter und nicht zuletzt die Umrichtertechnik wurden im Bahnbetrieb entwickelt, getestet und zur Serienreife gebracht. Mit ein Grund dafür, warum die eb auch außerhalb der Eisenbahnwelt gelesen und geschätzt wurde.

Heute ist der elektrische Betrieb zweifelsohne das umweltfreundlichste und leistungsstärkste Verkehrsmittel. Weder beim Güter oder Personenverkehr noch aus dem Betrieb von U- und Straßenbahnen ist der Elektroantrieb wegzudenken. Aber leider scheint ausgerechnet das umweltfreundlichste Verkehrsmittel bei der Europäischen Union eine schlechte Lobby zu haben. Wie ist es sonst zu erklären, dass die Schiene im intermodalen Wettbewerb durch die Gestaltung der Rahmenbedingungen gegenüber Straße, Schifffahrt und Luftverkehr benachteiligt wird. Elektrischer Bahnbetrieb ist somit auch ein politisches Thema.

Ich bin mir sicher, dass die eb auch in Zukunft die Entwicklung der Elektrotechnik im Bahnbetrieb in bewährter Manier kompetent und kritisch begleiten wird. Dabei wünsche ich dem Verlag, den Herausgebern, der Redaktion und den Autoren stets eine glückliche Hand bei der Themenauswahl und die Leidenschaft, diese so zu verpacken, dass vielleicht auch Nicht-Elektrotechniker folgen können. In diesem Sinne Glück auf für die nächsten 110 Jahre."

 

Ihr Volker Kefer
Vorstand Infrastruktur und Dienstleistungen
Deutsche Bahn AG


110 Jahre eb Elektrische Bahnen = 110 Jahre Zusammenarbeit mit dem VDV

Martin Schmitz, VDV

"Der Verband Deutscher Verkehrsunter­nehmen (VDV) gratuliert der Zeitschrift eb Elektrische Bahnen zu ihrem 110. Jahr ihres Erscheinens und freut sich zugleich über die lange Zusammenarbeit.

Der Titel dieses Geleitwortes hat eine besondere Bedeutung, kann doch der VDV unter Berücksich­tigung seiner Vorgängerorganisationen auf fast 120 Jahre Existenz zurückblicken: 1895 wurde in Mün­chen der Verein Deutscher Straßen- und Kleinbahnverwaltungen gegründet, nur wenige Jahre nach der Eröffnung des ersten deutschen, elektrisch betrie­benen Straßenbahnnetzes in Halle/Saale in 1891.

Die Abkürzung VDV wurde im Übrigen erstmals ab 1928 verwendet, als der Verband Deutscher Verkehrsverwaltungen (VDV) entstand; ein Verband, der damals schon neben den städtischen Schienenbah­nen auch die so genannten Klein­ und Privatbahnen und damit den regionalen Eisenbahn­Personen­ und Güterverkehr umfasste.

Die Verbindung zur eb ist jetzt leicht nach­ vollziehbar: Die Zeitschrift hat in vielen Artikeln Entwicklungen auf der Gebiet der elektrischen Traktion vorgestellt, die ihren Ausgangspunkt bei Mitgliedsunternehmen des VDV oder seiner Vorgängerorganisationen hatten oder bei diesen Verkehrsunternehmen erstmalig angewandt wur­den. Auf Basis der langjährigen Zusammenarbeit und der hervorragenden fachlichen Kommunikation und Verbreitung der neuen Entwicklungen durch die Zeitschrift konnten neue Technologien bekannt gemacht werden und sich verbreiten.

Ohne An­pruch auf Vollständigkeit oder exakter Datierung sollen hier die wichtigsten gemeinsam begleiteten Entwicklungen aufgeführt werden:

  1. Es ist fast nur den Straßen­ und U-­Bahnen sowie den elektrischen Vorort­ und Überlandbahnen zu verdanken, dass die Erfolgsgeschichte der elek­trischen Traktion am Ende des 19. Jahrhundert begann. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht an einen elektrischen Betrieb der Fernstrecken der Eisenbahnen zu denken
  2. Die Lokalbahn Aktien-­Gesellschaft (LAG) bewies ab 1905 auf ihrer Strecke Murnau – Ober­ammergau, dass sich niederfrequenter Einpha­sen-­Wechselstrom für die elektrische Traktion von Eisenbahn sehr gut eignet.
  3. Die serienreife Entwicklung von Quecksilber­dampf­-Gleichrichter wurde nach dem 1. Welt­krieg von den Straßen­ und U­-Bahn-­Unter­nehmen vorangetrieben, um die aufwendigen rotierenden Umformer zu ersetzen.
  4. Im rheinischen Braunkohlerevier wurde ab 1954 mit der Baureihe EL 1 die ersten elektrischen Lokomotiven der Welt mit Thyristorsteuerung eingesetzt.
  5. Bevor die Leistungselektronik ihren Stammplatz in Lokomotiven eroberte, wurde sie zu Beginn der 1980er Jahre Standard bei Straßen-­, Stadt­- und U­-Bahn­-Fahrzeugen. Pioniere waren die Hannoveraner Stadtbahn (Gleichstromstel­ler) und die Nürnberger U-­Bahn (Drehstrom­-Wechselrichter).
  6. Die Ruhrkohle AG (RAG) setzte ab 1976 die ersten elektrischen Serien­-Lokomotiven mit Drehstrom-­Antriebstechnik bei Speisung mit Einphasen­-Wechselstrom ein.
  7. Das Karlsruher Modell mit dem Betrieb von Zweisystem-­Fahrzeugen ab 1992 sowohl auf dem innerstädtischen Stadtbahnnetz als auch auf dem Eisenbahnnetz des Bundes findet weltweit Beachtung und hat zu erheblich gesteigerten Fahrgastzahlen geführt.
  8. Der VDV wird auch weiterhin die Weiterentwick­lung der elektrischen Traktion kräftig unterstützen. Derzeit wird die Ausweitung der elektrischen Trak­tionsystemen auf (Batterie­) Busse diskutiert. Hierzu wurde am 28. August 2013 innerhalb der VDV­ Organisation der Lenkungskreis E-­Bus gegründet, um technische Anforderungen, Mobilitätskonzepte und Umsetzungsstrategien für dieses innovative Ver­kehrsmittel zu erarbeiten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die ersten Beiträge hierzu in der eb erscheinen werden.

 

Martin Schmitz
Geschäftsführer Technik
Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)